Heft 
(1910) 18
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Kleine Mitteilungen.

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wagen an der Grenze der heimischen Flur liegen bleiben, und Herr Direktor Wcineck 1891*) aus derUmgegend von Lübben und Luekau vom Ab­werfender Wagenleitern, häufiger des Rungschemel mit den Strohwischen, worauf der Sarg gestanden hat, auf den Grenzhügel, auf dem nicht selten ganze Haufen davon verfaulten. Beide vermelden, daß diese Hügel darnach hie und da auchTot enbe tten hießen. Herr Mielke berichtet in denTotengebräuchen in der Mark*^), daß die genannten Gegenstände an gewissen Stellen der Dorf- inark verbrannt wurden, und fügt hinzu:Aus dieser Veranlassung heißt eine Ackerstelle bei Fürsten wähle, wo drei Dorfgrenzen zusammenstoßen, die Tot enrun ge (Kuhn und Schwartz, Nordd. Sag. 1848, S. 86). Mir teilte ein 84 Jahre alter ehemaliger Dorfschulze 1865 mit, daß,wie er als Soldat von Schenkendorf nach Fürstenwalde durch den großen Hofkammergutwald kam und einen Fußsteig ging, auf einer Stelle ganze Wagen hoch aufgetürmt und zusammengeworfen waren, etwa 1214 Fuß hoch. Das waren die Wagen, womit sie die Toten gefahren hatten. Ein gleicher Gebrauch lag also da auch vor. Das wäre um 1832 gewesen. Ich kann ebenfalls einen solchen Flurnamen beibringen. Südlich von Spremberg, allerdings jenseits der Grenze, liegt das Dorf Zerre. Als ich mich 1879 in dieser Gegend aufhielt, teilte man mir mit, daß eine Stelle zwischen Zerre und Schleife, wo ehemals die (Toten-) Leitern in ein tiefes Sandloch geworfen wurden, noch damals den Flurnamen Robliki, zu deutsch Leitern hatte. Lausitz serbisch heißt rebel die Leiter. Ich füge noch einige mir vom Schulzen Hantscho-Hano gemachte Angaben hinzu. II. II., ein wendischer Bauer, lebte zwar zu Schleife im Kreise Rothenburg in Schlesien, kannte aber auch die angrenzenden Gebiete der Mark sehr genau. Er war ein vorzüglicher Kenner seines heimatlichen Volkstums und durchaus ebenbürtig dem in wendischen und russischen Kreisen durch seine 1725 gemachten Aufzeichnungen des Drevjanischen***) (ini Lüneburger Lande) bekannt gewordenen Parum-Schulze. Ein aufmerksamer Naturbeobachter, der auch selbstständig mit dem Mikroskop Untersuchungen vornahm, Pflanzen­kenner hat doch unser verehrter Freund Geheimrat Ascherson ihn einst aufgesucht, Dichter und immer selbstlos, so stand er einsam und unver­standen unter seinen Dorfgnossen. Auch Dr. Ullrich Jahn hat er s. Z. bei dessen Sammlungen wertvolle Dienste geleistet. Mir selbst machte er drei noch unveröffentlichte Hefte wendischer Sagen und Gebräuche, auch märkischer Dörfer, von ihm niedergeschrieben, zum Geschenk. So war die Hand, die bei Tage den schweren Pflug führte, noch des Abends tätig beim Schreiben. II. JI. schrieb mir 1883: Zu der Zeit, da noch keine Brettschneidemühlen waren und wenig Sägen, wurden die Leichen auf Leitern beerdigt und wurde der Leichnam mit diesen Leitern in das Grab gelegt. Beweise kann ich nicht verschaffen, habe nur einst gehört von einem lange toten Mann, daß die Einwohner aus Zerre später, als es Bretter gab, noch lange die Leichen < auf ähnlichen Leitern nach ihrem in Schleife gelegenen Kirchhof brachten.

*) Ebenda 1892, 148.

**) Brandenburg!a, VIII. 1900, 19.

***) Die sprachlichen Denkmäler der Drevjaner und Glinjaner [Elbslaveu, von A. Hilferding. Aus dem Russischen von J. E. Schmaler, Bautzen, 1857.