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Kleine Mitteilungen.
Ferner 1885: „Die Sache bedeutete damals: Wenn der Wagen, darauf die Leiche gefahren wurde, direkt nach Hause gebracht wurde, so hieß es: „Dann ist der Tod mit zu Hause gebracht worden“. Deshalb setzten die umliegenden Dörfer den Leichnam in den Zeiten, da keine Bretter waren, in Leinwand eingewickelt auf eine besonders gemachte Leiter, und später den Sarg ebenfalls auf solche gemachten Leitern. Dann wurde solche Leiter vor der Dorfgrenze in einen Busch, Tal oder Loch zurtickgelassen und blieb dort liegen. In solchen Dörfern aber, wo später diese Sitte abkam, wurde der Wagen, auf welchem eine Leiche gefahren wurde, vor dem Dorfe oder vor dem betreffenden Hofe gelassen, auch in manchen Orten sogar umgeschmissen, und am andern Tage erst nach Hause geholt. Es waren besonders dazu gemachte Leitern. An solche Sitte oder Glauben knüpft sich noch heute hier an, daß die Leute, welche vom Begräbnis zurückkommen, draußen etwas von ihren mitgehabten Sachen lassen“. In einem der Lausitzer Volkslieder, die ich sammelte, sagt ein junges Mädchen, ihrer Verachtung gegen den untreuen Geliebten Ausdruck gebend, u. a. „pöd plotami, pöd kerkami tarn tych tajkich zgnijo dose“, unter Zäunen, unter Sträuchern fault von solcher Art genug. Dies Verfaulen an abgelegner Stelle wurde von einem ländlichen Erklärer mir gegenüber ebenfalls auf jenen Gebrauch bezogen, wenn auch ohne hinreichende Begründung. W. v. Schulenburg.
Über Theatermuseen. Die großen und vornehmen Stätten der Bühnenkunst in Deutschland haben im Laufe der Jahre so manche wertvolle historische Keliquien aufgenommen, an welche sich die Erinnerung an eine bedeutende Persönlichkeit oder ein wichtiges Bühnenereignis knüpfen. Im Gegensatz zu Frankreich (z. B. Paris), wo die großen Theater sorgsam ihr Archiv und Theatermuseum hüten, gibt es in Deutschland unseres Wissens Theatermuseen nicht. Den Anfang mit einer derartigen Institution macht Weimar, die Bühnenstättc aus klassischer Zeit, auf der ein neues Hoftheater erstehen soll. Bei den Käumungsarbeiten im neuen Hoftheater hat sich so manches wertvolles Stück aus alter Zeit vorgefunden, an das man viele Jahre nicht gedacht hatte. Antiquierte Kostümröcke, manches Keliquienstück, dessen Anblick an die große Vergangenheit erinnert; Soufflierbücher mit interessanten Handglossen zu Partituren; Stimmen in vergriffenem Umschlag oder Einband wurden entdeckt, so daß die Intendantur des Hoftheaters den Beschluß gefaßt hat, im neuen llofthcater ein Theatermuseum zu gründen, in dem alle diese an eine unvergleichliche Vergangenheit gemahnenden Gegenstände für die Zukunft aufbewahrt werden sollen. Zu den kostbarsten Inventarstücken gehört die von Eckermanns Hand stammende und von Goethe mit eigenen » Zusätzen versehene Niederschrift vom ersten Teile des „Faust“, die der ersten Aufführung des Werkes an der weimarischenHofbühne am 29. August 1829 zugrunde lag. Es ist lebhaft zu wünschen daß auch an anderen hervorragenden Bühnen, insbesondere an den Hoftheatern in Berlin, Dresden, München und Stuttgart, ähnliche Maßnahmen getroffen würden.
Diese der geschätzten, höchst vielseitigen Antiquitäten-Kundschau vom 21. Februar 1907 entnommene Mitteilung gibt uns den willkommenen Anlaß,