Kleine Mitteilungen.
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daran zu erinnern, wie wichtig und notwendig die Einrichtung eines Theater- museums gerade in Berlin ist. Für die Kulturgeschichte erscheint gerade die Aufbewahrung der jeweilig modernen Kleidungsstücke pp. in charakteristischen Stücken wünschenswert. Was die Ausstattung des Schauspiel- und Opcrnpersonals betrifft, — denn auch das letztere kommt beim Theater- museum ebenso wie das Schauspielpersonal in Frage — so wird diese immer etwas phantastisch und willkürlich bleiben und zwar tritt dies um so mehr hervor, je weiter die Stücke in die Vergangenheit zurück greifen, beispielsweise in die %vendische oder germanische oder überhaupt die vorgeschichtliche Zeit. Daneben laufen reine Ausstattungsstücke, wie wir sie vorzüglich in den Ballettaufführungen sehen, oder phantastische Schauspiele wie ein Teil z. B. der Shakespeareschen und Grillparzerschen Stücke (Schiller’s Braut von Messina und Turandot würden hierher gehören), ebenso gehören hierher die meisten der Wagnerschen Opern (der King des Nibelungen, Tannhäuser, Lohengrin, der Fliegende Holliinder) die Auf bewahrung von Bekleidungsstücken und Requisiten, welche diese „phantastischen“ Aufführungen, Schauspiele und Opern betreffen, würde ebenfalls sehr wünschenswert sein. Daneben kämen in Frage die Texte der Schauspiele und Opern, die Partituren, die aus geschriebenen Hollen und viele andere Dinge, welche mit dem Theaterbetrieb zusammen hängen. Ein größerer Raum im K. Schauspielhaus (Opernhause) l'ür die Anfänge eines Berliner Theater-Museums würde für längere Zeit genügen und wohl ohne größere Schwierigkeiten zu beschaffen sein. Selbstredend müßte die Sammlung der in Betracht kommenden Gegenstände auch auf solche Theater ausgedehnt werden, welche nicht Königliche Anstalten sind.
E. Friedei.
Von u. k. M. Herrn Pfarrer E. llandtmann ist mir, datiert Potsdam,
12. Juli 1909, folgende Zuschrift zugesendet: E. Fr.
Gestern ging mir Aprilheft d. J. der Brandenburgs zu mit Ihrer S. 3 und 4 gegebenen Anfrage betr. Prignitzer Volkstracht.
Da darf denn auch ich ' nicht still bleiben. Leider muß ich (was im übrigen ja nur erfreulich für mich ist) aus (33) dreiunddreißig Jahre umfassender Beobachtung heraus Ihre Anschauung bestätigen: es hat, soweit unsere Erinnerung zusammt den Erzählungen der „ältesten Leute“ reicht, keine „prignitzer Volkstracht“ gegeben. Diejenigen sogenannten „altertümlichen“ (volksdialektlich „ollmoclschen“ Bekleidungsstücke, auf welche ^ das Auge des Wandrers ab und zu in Städten — Perleberg, Haveiberg, l’ritzwalk, Lenzen — und Dörfern z. B. Wootz, Breetz, Warnow, Ferbitz, Kumlosen, Düpow, Söllentin, Leppin u. s. w. stieß, trugen in keiner Weise Lokal- oder Gegend Charakter.
Die „Trachtenfrage“ wurde sehr eingehend verhandelt bei der Stiftungssitzung für das Prignitzmuseum in Havelberg am 12. August 1901. Es wundert mich, daß Herr v. Jagow, der Einberufer jener Versammlung, Ihnen hiervon nichts mitgeteilt hat. Ich regte damals für das Ilavelberger Museum die Trachtenfrage an, hoffend, es möchte z. B. in Jederitz bei Havelberg bezw.