228
Kleine Mitteilungen.
in der Gegend von Putlitz ähnlich wie für das Lüneburger-Museum aus dem Hannoverschen Wendland (Lüchow, Trebel, Hebensdorf, u. s. w.) für die Prignitz einc Trachtendarstellung zu erlangen sein. Allseitiger horrorvacui! Auch der im Auffinden von Prignitzer Altertümern sehr glückliche Ilavcl- berger Kaufmann Herr Johannes Bache und der Meister Prignitzer Volksund Landesforschung, Herr Photograph Zeisig in Perleberg, vermochten ebenso wenig, wie ich etwas über Prignitztrachten, bezw. über alte Bilder mit Prignitztrachten mitzuteilen.
Was die Ihnen durch Herrn v. Schulenburg ums Jahr 1887 vorgelegten Ölfarbenskizzen betrifft, muß ich leider gleichfalls die daran geknüpften Hoffnungen kritisch zerstören. Nr. 1, die „zigeunerhafte Frau mit dem roten Blusestück“ ist mir zusammt jenem Kleidungsstück wohl bekannt. Dieselbe war dazumal Waschfrau in meinem Hause, aus dem auch die fragliche Bluse herrührte. Kote moderne lilusen wurden ab und zu in der Lenzener Gegend und in der Prignitz von Frauen und Mädchen gelegentlich getragen, sind ja nach persönlichem Geschmack Kaufladen- Artikel.
Nr. 2, „blaue, milchige“ Stimmung: ist Kattun, bezw. Warp, letzterer manchmal eignes Gewebe, ähnlich der bei Diakonissinnen vielfach üblichen Tracht, gern gemacht, weil lange widerstandsfähig gegen Beschmutzung durch Staub, Kegen, Anspritzung von der Straße und beim Gehen durch nasses Gras auf dem „Melkerstieg“. Wird in den Stadtkaufläden geholt.
Nr. 3, der Frauenhut — iin Volksdialekt „Fledderhut“ benamset — ist nichts als ein meist von „Muttern selbst zurechtgeschnurrter Helgoländer“ höchst primitiver Hauskunstfertigkeit.
Ein Versuch etlicher Adelsdamen, nach eigner oder fremder Phantasie in der Prignitz eine sogenannte Volkstracht einführen zu wollen, würde nach meiner Kenntnis des Volkscharakters dort nur spöttischem Lächeln über derartigen Maskeradenscherz begegnen. Die Prignitzer Bauern, Landarbeiter, Kleinstadtbewohner denken nicht im Entfei’ntesten daran, sich um Adelsleute zu kümmern. Der kleinstädtische Kaufmann ist dort die tonangebende Persönlichkeit! Daneben die Sozialisten aus Hamburg und aus Wittenberge. Für den Adel gilt bald mehr offen bald mehr versteckt der Spottvers:
„Se bömen, sc böme n sick immer dichter inn,
Un balle, balle werd’ nischt mehr von ehr to sjen sinn!“
Das heißt der in Schlössern hinter dichten Bäumen und seinen Inspektoren sich isolierende Adel ist und bleibt uns völlig gleichgültig.
Kürzlich war ich zum ersten Mal mit vieler Freude im neuen Märkischen Museum. Hoffentlich^ bald einmal Wiedersehen dort oder in der Anthropol. Gesellschaft.