Heft 
(1910) 18
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8. (I. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.

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gelitten, ebenso die Tittersche Ziegelei. Einen Beweis der Gewalt dieser Wasserinasson lieferte u. a. die Chausseebrücke im schwarzen Grund kurz vor llaseloff. Die ganze Brücke mit ihren massigen Granitsteinen und die Chaussee mit ihren Bäumen war in einer Breite von 20 m zerstört und fortgerissen.

Es dürfte nun lohnend sein, den Ursachen des früher hier so häuligen Erscheinens des Flämingwassers und seines jetzigen Ausbleibens nachzugehen. Hierzu wird es nötig sein, in eine Betrachtung der Boden­oberfläche des Flämings in früherer und in jetziger Zeit einzutreten. Es zeigen sich dann folgende Erscheinungen:

1. Die bis vor etwa 20 Jahren auf dem Fläming getriebene Drei­felderwirtschaft ergab ständig große Brachflächen mit glatter, fester Oberfläche. Die zahlreichen Schafherden beseitigten jede größere Vege­tation auf den Feldern, sodaß bei gefrorenem Boden die Schmelzwässer nicht zurück gehalten wurden, sondern sogleich abflossen. Nur ein kleiner Teil des Ackers wurde gepflügt, aber nur flach. Jetzt wird da­gegen der größte Teil des ganzen Flämings im Herbste sehr tief gepflügt, alle Wässer in den Unebenheiten der weichen Ackerkrume werden noch lange nach ihrem Schmelzen zurückgehalten. Außerdem ist der Boden aufnahmefähiger für Wasser.

2. Das Lüdendorfer Tal, das zum Rietzer Bach entwässert, früher ein Acker- und Brachland, ist in den letzten Jahren aufgeforstet worden. Sein Baubestand hindert jetzt, wie jeder andere Wald, ein schnelles und plötzliches Tauen.

3. Die vielen wasserlosen Jahre haben zur allmählichen Austrocknung des Teiches im Talkessel der Schwabecker Rommel geführt. Dieser umfangreiche Teich sandte früher im Frühjahr seinen Überschuß in das Lüdendorfer Tal, während er jetzt große Wassermassenin sich aufspeichern kann und in einem Jahre kaum zu füllen ist.

4. Die Winter sind in früheren Jahrzehnten durchgängig schnee­reicher gewesen, als in den letzten Jahren. Es fehlte an Schneeschmelze. Erst der diesjährige Winter machte eine Ausnahme.

5. Quer über das Niejflitztal und das des Rietzer Baches zieht sich sich jetzt der Bahndamm, der als Staudamm wirken würde und genügend lange imstande wäre, einen allmählichen, gefahrlosen Abfluß des Wassers zu ermöglichen.

Aus allen diesen Gründen ergibt sich, daß eine größere Wasser­gefahr für dieses Jahr und auch für die nächsten Jahre für Treuenbrietzen kaum zu befürchten ist.

Weniger günstig liegen die Umstände für unsere Nachbarstädte Niemegk, Zahna, Jüterbog und Belzig und hier ist ebenso wie in einigen unserer Nachbardörfer in diesem Jahre das Flämingswasser schon ziemlich stark aufgetreten. Im Bereiche der dorthin entwässernden Täler sind