258 3. (1. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.
wesentliche Aufforstungen nicht gemacht, teilweise ist sogar eine weitere Entwaldung des ohnehin schon so waldarmen mittleren Flämings eingetreten. Immerhin dürfte dieser ungünstige Zustand durch die tiefere Bearbeitung der Ackerfläche ein genügendes Gegengewicht linden, sodaß hier zwar keine Verminderung der Wassersgefahr, wie in Treuenbrietzen, aber auch keine Vermehrung der Gefahr stattgefunden hat.
Übrigens darf angenommen werden, daß die Gefahr des Flämingswassers in weiter zurückliegenden Jahrzehnten eine noch größere gewesen ist, als heutzutage. So hat die Brautrommel bei Grubo ihren Namen bekommen, weil eine auf dem Ileiuwege befindliche junge Braut aus Grubo von den plötzlich heranstürzenden Wassermassen überrascht, ohne Hilfe finden zu können, in ihr ertrank. Ebenso erging es einem Gespann mit 2 Pferden in der Garreyer Rommel.
Daß aber derartige Fälle auch jetzt noch möglich sind, wird jeder zugegeben, der die Beschaffenheit der Rommein, dieser geologischen Besonderheit des Flämings, kennt. Sie sind scharf in den Lehmboden eingeschnittene Täler bis zu 20 m Tiefe und verdanken ihren Ursprung der letzten Eiszeit. Im letzten Winter waren sie nach langer Zeit wieder zum ersten Male voller Schnee geweht, was nach alter Überlieferung immer ein Voi’zeichen ist für das kommende und in diesem Frühjahr auch wirklich eingetretene Flämingswasser des Planetals.
Vgl. dazu unsere Mitteilungen und Abbildungen in der Sitzung vom 26. Januar 1909.
XIV. Das berühmte Rothirschgeweih des Märkischen Sechsundseclizigenders in der Moritzburg bei Dredsen, welches auf der jetzigen Geweihausstellung im Zoologischen Garten berechtigtes Aufsehen erregt, ist am 18. September 1696 von dem Kurfürsten Friedrich III. in der Forst Neubrück erbeutet worden. Zur Erinnerung an dies einzig'dastehende „Waidmannsheil“ ist ein Denkstein errichtet worden. Später wurde das Geweih als Kaufpreis für einige „lange Kerls“, die der König von Sachsen für die Potsdamer Riesengarde lieferte, gezahlt und wanderte in die Moritzburg. Der Rotwild-Jagdverein für die Mark Brandenburg,'der im Dezember 1908 eine als Rückschau gedachte Aus- stellung'von^Geweihen und Gehörnen veranstaltete, bemühte sich, dies sagenhafteJPrachtstück, von dem eine hölzerne Nachbildung in Königs- Wusterhausen hängt, für die Ausstellung zu bekommen. So geschah es, daß der Sechsundsechzigender eine kurze Gastrolle in Berlin gab. Er enttäuschte^allgemein^denn es ist nicht etwa ein gewaltiges Geweih mit vielen stolzen-Enden, sondern eine zierliche Monstrosität. Die Stangen sind eher schwach als stark zu nennen. Die Kronen werden durch zwei schüsselartige Verdickungen von der Größe eines Suppentellers gebildet. Da auch die Mittelsprossen aufgebogen und plattgedrückt sind, erhält man unwillkürlich den Eindruck, als wäre der Hirsch in der Zeit, als