3. (1. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres. 259
die Kolben noch ganz weich und mit Bast bezogen waren, heftig gegen eine Mauer oder eine Bretterwand gerannt. Die Sechsundsechzig Enden sind eine historische Lüge ohne jede Berechtigung. Es ist jedes Knöpf- clien, jeder noch so winzige Vorsprung als „Ende“ gezählt worden. Trotzdem kann man beim besten Willen nicht mehr als 30 „Enden“ an der linken und 2G an der rechten Stange entdecken. Da die Jäger die Enden der die größere Zahl aufweisenden Stange einfach verdoppeln, konnte man im günstigsten Fall von einem Sechzigender sprechen. Das Geweih ist auf einem vergoldeten, geschnitzten Kopf aufgesetzt, der gar nicht der Wirklichkeit entspricht, denn der Hirsch wog mitten in der Brunst 5 Zentner und 35 Pfund, war also ein gewaltiger Recke, dessen Gewicht jetzt kaum mehr erreicht wird. Früher, als die Jagd noch ein Privilegium bevorrechteter Stände war, kam es oft vor, daß einzelne Stücke Wild ein hohes Alter und eine ungewöhnliche Stärke erreichten. Wie ein fachkundiger Bericht im B. L. A. vom 25. d. M. hinzufügt, gestattet der moderne Jagdbetrieb leider dergleichen nicht mehr. Dieser arbeitet aber zum Ersatz dafür durch sorgsame Pflege, Fütterung im Winter und Abschuß aller schwacli entwickelten Hirsche darauf hin, daß das Wild schon in jungen Jahren starke Geweihe und Gehörne aufsetzt. In eingegatterten Revieren, wo die Wildbahn gegen jede Gefahr geschützt ist, läßt man Hirsche, die eine gute Entwicklung versprechen, so lange leben, wie es irgend gebt. Viele solcher „Znkunftshirsche“ bereiten dem Jagdherrn eine Enttäuschung. Denn plötzlich läßt ihre Kraft nach und sie setzen ein kleineres Geweih auf als sie im Jahre vorher getragen haben. Manchmal taucht aber ein Hirsch auf, den niemand kennt, obwohl die Grünröcke von den Futterstellen her ihren Bestand ebenso genau kennen wie der Bauer sein Vieh. Solche Überraschungen waren z. B. der Achtundzwanzigender und der Vierundvierzigender, die der Kaiser in Rominten erlegte.
Dem berühmten Hirsch, dessen wir in der Brandenburgia auch sonst schon gedacht, ist am Hauptwege in der Neubrücker Forst ein schönes Denkmal gesetzt.
Wir benutzen diese Gelegenheit, im Interesse der Heimatkunde auf diese recht eigentlich brandenburgische Jagdtrophäenaüsstellung aufmerksam zu machen.
XV. Zur Kunde der Sumpfschildkröte. Herr Professor Dr. Conwentz, u. Ehrenmitglied, versendet als Direktor des Westpreußischen Provinzial-Museum den Ihnen vorliegenden Fragebogen betreffend das Vorkommen lebender Emys orbicularis L. in der Provinz und im Nachbargebiet. Es ist sehr seltsam, daß aus dem doch ganz leidlich durchforschten Westpreußen dem Danziger Museum in diesem Jahre zum ersten Male lebende Schildkröten zugegangen sind. Ich habe Herrn Conwentz auf meine mancherlei Mitteilungen in der Brandenburgia über