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4. (3. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.
Paulstern und Sternfelde, wo sich die Stearinfabriken von Motard & Co. befinden, sowie nach der militärfiskalischen Arbeiterkolonie Haselhorst und der in diesem Ort betriebenen Anneekonserveufabrik. Diese Straßenbahn dient nicht allein der Personenbeförderung, sondern auch dem Güterverkehr der genannten industriellen Anlagen, welche durch die Straßenbahngleise und die damit in Verbindung stehende Militäreisenbahn Anschluß an die Staatsbahn haben. Die Straßenbahn ist von der Aktiengesellschaft Siemens & Halske gebaut worden und geht vertragsmäßig am 1. Oktober 1909 in den Besitz der Stadt Spandau über. Ferner hat die Firma Siemens & Halske eine sehr breit angelegte Straße vom Nonnendamm aus durch forstfiskalisches Gelände nach Spandau lierstellen lassen. Durch diese Anlagen hat sich der Stadtteil Nonnendamm, der jetzt völlig nach Spandau eingemeindet ist, sehr gehoben. Die Einwohnerzahl belief sich am 1. April 1909 auf 1299 Seelen, und zwar 438 Männer, 432 Frauen und 429 Kinder, von letzteren besuchten 222 die neuerbaute Gemeindeschule am Nordrande des Ortes; die Zahl der vorhandenen Wohnungen betrug um die angegebene Zeit 468, von denen 352 vermietet waren, die der Läden 51, von denen 27 leer standen. In den Fabriken von Siemens & Halske waren am 1. April 1909 gegen 10 650 Beamte und Arbeiter beschäftigt, doch wird diese Zahl sich erheblich vermehren, da bereits weitere Fabrikanlagen im Bau begriffen sind. Von den Angestellten der Firma wohut-jedoch nur ein geringer Teil im Stadtteile Nonnendamm, die Arbeiter wohnen in den östlichen Vororten, hauptsächlich in Rixdorf, und bleiben über Mittag in der Fabrik, wo die Firma eine Kantine und einen Speiseraum eingerichtet hat, in dem warme Speisen zu billigen Preisen verabfolgt werden.
Für die gottesdienstlichen Zwecke der evangelischen Bewohner des Stadtteils Nonnendamm hatte die Firma Siemens & Halske bis zum September 1908 einen Betsaal im Hause Märkischer Steig 8 unterhalten, dann aber eine Kapelle am westlichen Ende des Ortes am Walde errichten lassen. Die „Kapelle am Nonnendamm“, wie die amtliche Bezeichnung lautet, stand früher am Pferdemarkt in Westend bei Charlottenburg und gehörte der Epiphanias-Gemeinde, von der sie die genannte Aktiengesellschaft gekauft hat. Die Kapelle, ein einfacher Fachwerkbau mit einem kleinen Glockenturm, wurde von dem Reg.- Baumeister Janisch neu aufgebaut und ist am 6. September 1908 feierlich eingeweiht worden. Das kleine Gotteshaus, das gegen 300 Sitzplätze enthält, ist im Innern ansprechend ausgestattet worden. Der Altar ist eine Stiftung des Zimmermeisters Scharf-Berlin, die Orgel ein Geschenk der Stadt Spandau, der Taufstein ein Originalentwurf des Architekten Schmolke, die Glocke lieferte Collier in Zehlendorf. An die Kapelle ist hinter dem Altarraum ein Konfirmandensaal mit 60 Sitzplätzen neu angebaut und mit dem Mobiliar des früheren Betsaals ausgestattet worden.