Heft 
(1910) 18
Seite
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4. (3. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.

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Hinter der Kapelle nach Osten zu erhebt sich das neuerbaute Schulhaus, das am 1. Oktober 1908 seiner Bestimmung übergeben wurde. Das Gebäude, das allen hygienischen Anforderungen genügt, enthält zunächst eine beschränkte Anzahl von Klassen, soll aber später, dem Bedürfnis entsprechend, vergrößert werden. Der Fußboden der Klassen und Korridore ist mit einer Linoleumart auf Betonschicht, Doloment ge­nannt, belegt, dieser Belag soll schalldämpfend wirken.

Nach der Besichtigung der Kapelle und der Schule gelangten die Teilnehmer der Wanderfahrt mit der erwähnten Straßenbahn an den südlich nach der Spree zu gelegenen Gutsbezirken Sternfelde und Paulstern, die nebst der dort befindlichen Stearinfabrik von Motard & Co. seit dem 1. April 1909 nach Spandau eingemeindet sind, vorüber durch Haselhorst*) nach dem Mittelpunkte der Stadt Spandau.

Die nun unter Führung n. M. Robert Mielke beginnende Wan­derung durch Alt-Spandau nahm ihren Anfang in der Breiten Straße, wo im Restaurant Bohrt ein altes, mit Kreuzgewölben überdecktes Zimmer als Überrest eines mittelalterlichen Bürgerhauses und in den be­nachbarten Häusern alte winklige Höfe und Lehm- und Fachwerkbauten besichtigt wurden. In nördlicher Richtung gelangte man über die Flutrinne zum Stadtteil Behnitz und zum Kolk, wo sich die älteste Anlage von Spandau, das Slawendorf Benz auf einem Hügel neben dem Kolk, dem Abfluß des die Anhöhe umschließenden Spektebaches, erhoben hat, und wanderte an der Zitadelle mit dem Juliusturm, dem Berg­fried der alten Askanierburg des 13. Jahrhunderts, vorüber zum Mühlen­graben, wo bis vor kurzem eine große Schneidemühle**) gestanden

*) Haselhorst, früher eine königl. Domäne, ist seit 1. April 1909 dem Stadt­kreis Spandau einverleibt. Es befinden sich dort eine Armee-Konservenfabrik und eine militärfiskalische Arbeiterkolonie mit Familienkäusern und Schulhaus, ferner ein Überrest des früheren Gutsparks. Das ehemalige Rittergut, das in den bOer Jahren dem Grafen Blücher gehörte, ist 1895 in den Besitz des Berliner Groß­schlächters Elsner übergegangen.

**) Die Schneide- und Mahlmühle, welche zuletzt der Familie Körner ge­hörte, ist bereits im 1.3. Jahrhundert angelegt worden und hatte seit Jahrhunderten das Recht, an der Havel von der Schleuse bis zur Dammbrücke Floßholz zu lagern. Als Gegenleistung für die Floßholzlagerung war der Besitzer der Mühle verpflichtet, in Kriegszeiten auf Erfordern der Heeresverwaltung den gesamten Betrieb zur Herstellung von Brotmehl zur Verfügung zu stellen. Da die oft bis zur halben Breite des Flusses reichende Holzlagerung seit Jahren für den Schiffsverkehr sehr hinderlich war und diesen nach dem Bau der neuen Schleuse und nach der Eröffnung des Großschiffahrts­weges BerlinStettin noch mehr beeinträchtigen würde, so kaufte die Stadt Spandau die Mühle und das über 1900 qm umfassende Körnersche Mühlengrundstück im Oktober 1908 im Wege der Subhastation für 230 000 M. an und trat das erwähnte Vorrecht der Holzablagerung für 100 000 M. an die Regierung ab. Außerdem erhielt die Stadt den Mühlengraben übereignet, der zugeschüttet und bebaut werden soll. Etwaige Ansprüche der Anlieger des Grabens hat die Stadtverwaltung zu befriedigen.

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