Heft 
(1910) 18
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4. (:i. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.

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des Stadt waldes zum Restaurant Stadt park, wo das Mittagsmahl ein­genommen wurde.

Am Nachmittage wurde ein Spaziergang durch die schöne Stadt­forst nach den Neubauten des Johannesstifts, das von Plötzensee bei Rerlin hierher verlegt wird, unternommen und an dem 300 Morgen großen Gelände des Stiftes, an der neuen Bahnlinie von Spandau nach Bötzow und am Karpfenteich entlang die Wanderung nach Hakenfelde fortgesetzt.

Haken fehle hat seinen Namen von dem Spandauer Bürger Haake, der das Landgut in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts durch seine Vermählung mit der Tochter des Bürgermeisters Cantius erwarb. Nach seinem Tode lebte die Witwe Haake*) auf dem Landsitze und legte dort eine ausgedehnte Meierei und eine Orangerie nebst Treibhaus an. Von den Ilaakeschen Erben erwarb um 1858 die spanische Tänzerin Pepita de Oliva, eine Tochter des Generals Don Pedro de Ortega, den Landsitz und erbaute sicli hier ein kleines Landhaus, um das sie einen lauschigen Park mit Laubengängen, Statuen und Springbrunnen anlegen ließ. Pepita, die um 1830 geboren wurde, hatte ihren Gatten Juan Antonio de Oliva verlassen und durchzog als gefeierte Tänzerin die Welt. In den 50 er Jahren trat sie in Berlin auf und besuchte von dort aus oft ihren Landsitz. In dieser Zeit herrschte in Hakeufelde ein lustiges Leben, da Pepita, die viele Verehrer hatte, hier rauschende Feste gab, die ihres Glanzes wegen auch in Berliner Kreisen berühmt waren. Unter den Verehrern Pepitas spielte ein englischer Lord, Lionel Sackeville- West, eine besondere Rolle, und die südländische Schönheit hoffte wohl, daß der Engländer, von dem sie mehrere Kinder hatte, sie heimführen würde. Als aber der Lord nach England abdampfte und nichts mehr von sich hören ließ, härmte sich Pepita sehr und entsagte seit 1863 ihrer Kunst. Sie ist im Jahre 1871 ganz vereinsamt gestorben. Seit Ostern 1861 hat sie nicht mehr auf ihrem Landsitze geweilt. Hakenfelde, das seit jenen Tagen die BezeichnungPepitas Ruh führt, ist jetzt ein Restaurant und ein beliebter Ausflugsort der Spandauer geworden. In dem Gebäude, das aus der Zeit der Pepita herrührt, hängt über einer Tür ein Ölbild der Tänzerin, das sie, auf einem Diwan liegend und ein Hündchen auf dem Schoße, darstellt; dies Bild ist die Kopie eines Originals, das sich im Besitze eines Berliner Industriellen befinden soll. Außerdem hängt in einem Nebenzimmer ein Lichtbild Pepitas, das sie in ähnlicher Stellung vorführt. Beide

*) Das Grabmal der Witwe Haake (f 1775) befand sich in der jetzt abgebrochenen Johanniskirche in Spandau und ist nun nach der Nikolaikirche gebracht worden, wo es neben dem Eingang steht. In der Turmhalle von St. Nikolai sind die irdischen Überreste der Frau beigesetzt.