Heft 
(1910) 18
Seite
288
Einzelbild herunterladen

288

4. (3. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjabres.

Bilder lassen nicht erkennen, daß die Tänzerin eine besondere Schönheit gewesen ist. Von dem schönen Bark ist wenig erhalten; eine Anzahl alter Bäume wurde 1902 bei Anlage einer neuen Straße gefällt, zum Teil mußten die Baumriesen, um sie transportfähig zu machen, gesprengt werden.

Von Ilakenfelde kehrten die Teilnehmer der Wanderfahrt mit der Straßenbahn durch die Streitstraße und die Neuendorfer Straße am Schützenhause vorüber nach der Stadt zurück und konnten hierbei beobachten, welche Umwandlungen die Niederlegung der Festungswerke auch in diesem Teil von Spandau hervorgerufen hat.

Den Abschluß der Wanderfahrt bildete ein Besuch der alten Nikolaikirche, in der die Mitglieder durch weihevolle Klänge der schönen Orgel empfangen wurden. Vor dem Altar hielt dann Ober­pfarrer Recke einen inhaltsreichen Vortrag, in dem er wechselnde Bilder aus der Geschichte der Kirche und des alten Spandau vorführte.

Die St. Nikolaikirche in Spandau soll der Überlieferung zufolge im Jahre 1210 erbaut worden sein, und diese Angabe, die nicht urkund­lich belegt ist, stützt sich auf die Behauptung, daß noch im Anfänge des 18. Jahrhunderts über einer Kirchtür ein Stein mit der Zahl1210 vorhanden gewesen sei. Erwähnt wird die Kirche zuerst in einer noch vorhandenen Urkunde vom 29. Juli 1240, in der die Markgrafen Johann I. und Otto III. der Stadt gewisse Rechte gegenüber dem Spandauer Jungfrauen-Kloster übertrugen.

Das jetzige Gotteshaus ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit Chorumgaug und stammt aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, worauf auch das Baumaterial hinweist, da ein Teil der verwendeten Backsteine in der Form mit denen der Stadtmauer, die im 14. Jahr­hundert erbaut wurde, übereinstimmt. Der imposante Turm ist erst später hinzugefügt worden; ihn erbaute 1467,'68 der Meister Paul Rothstock aus Magdeburg. Im Jahre 1537 wurde der Turm durch Blitzschlag entzündet und 1540 durch Kaspar They ß wiederhergestellt. In einer alten Chronik von 1600 findet sich die Nachricht, daß der Nikolaiturm in Spandau früher alle übrigen Kirchtürme der Mark an Höhe übertroffen habe, durch zwei Blitzschläge aber von seiner Höhe eingebüßt habe. Am 25. Juni 1740 brannte dann der Turm abermals gänzlich aus. Mit einem Kosten- aufwande von 11950 Taler, 14 Groschen, 2 Pfg. wurde er wieder auf- gebaut. Am 3. September 1744 setzte man unter Musikbegleitung den Knopf, die Fahne und den Stern auf. Die gleichzeitig neu eingerichtete Uhr begann am 1. Juli 1744 den Spandauern die Zeiten anzugeben; die jetzt vorhandene stammt aus dem Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahr­hunderts. In den Jahren 1839 1840 wurde wieder eine Renovation des Gottes­hauses vorgenommen, dieStadtgab damals 12500 Taler, dieKirche 3500 und König Friedrich Wilhelm III. 10 000 Taler. Ein zeitgenössischer Chronist