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4. (3. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.
Die Nikolaikirche ist reich an alten Kunstschätzen.*) Das hervorragendste Stück ist der schöne Altaraufbau vor dem Chor, der ein Geschenk des Grafen Rochus von Lynar ist und laut Inschrift am 17. Juli 1582 vollendet wurde. Er ragt, in Stein und Stuck ausgeführt, gegen 8 m über den Altartisch empor. Das Mittelbild zeigt in freskenartiger Darstellung die Feier des heiligen Abendmahls in einer Gesamt- größe von 131:116 cm. Sehr geschmackvoll ist die Umrahmung des Bildes, besonders ausgezeichnet durch seine Blattornamente. Darüber befindet sich ein Bild des jüngsten Gerichts, 1,35 m lang und 0,85 m hoch: Christus, umgeben von den Aposteln und von Engeln mit Posaunen, als Weltrichter in den Wolken thronend, die Siegesfahne in der Hand, zu seiner Rechten die Seligen, zur Linken die Verdammten. Als Krönung über den beiden Mittelbildern ist die Bundeslade der Juden als alttestamentliches und in einem Oval Christus am Kreuz als neutestamentliches Symbol dargestellt, außerdem stehen die Gestalten der Fides (Glaube) und der Charitas (Liebe) über den mittleren Pilastern. Das Ganze wird von den Wappen des Stifters und seiner Gemahlin flankiert. Zu beiden Seiten dieses Mittelbaues zeigt der herrliche Altar die Gestalten der Stifter: hier des Grafen und seiner beiden Söhne Casimir und Augustus, im Alter von 15 und 13 Jahren, dort der Gräfin Anna, geb. von Montot, der ersten Gemahlin des Grafen Rochus, mit ihren drei Töchtern Anna, Elisabeth und Anna-Sabina: alle Figuren porträtähnlich und in kniender Stellung. Die Sprüche über dem Mittelbild sind Luc. 22, Vers 30, unter dem Bild des Grafen: Daniel 9, Vers 18, unter dem Bilde der Gräfin: Offenb. Job. 22, Vers 20. Der Name des Künstlers ist unbekannt; der oben neben der Weltkugel stehende Name Friedrich Dahleke, ist der eines Malergehilfen, der den Altar 1889 gereinigt und erneuert hat.**)
Der frühere Hochaltar, vordem Kurfürst Joachim II ain 1. November 1539 zur evangelischen Lehre übertrat, ist verschwunden, ebenso das alte Sakramentshäuschen mit dem Reliquiarium, das bald nach der Reformation an einen Händler Miessner verkauft wurde. In der katholischen Zeit war die Nikolaikirche überaus reich an Altären; bei Einführung der Reformation zählte man nicht weniger als elf, die den verschiedensten Heiligen geweiht waren. Der wichtigste war der Jungfrau Maria geweiht und bezog die vom Spandauer Rat gestifteten Einkünfte von zwei Gütern auf dem Stresow und vor dem Heidetore.
Sehr alt ist das bronzene Taufbecken, das als Kessel mit Heiligenfiguren auf vier Statuen ruht, es stammt laut Inschrift aus dem
*) Vgl. hierzu Bergau, Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler (1885) und die dort angeführte Literatur.
**) Vgl. Recke, Eine kunstgeschichtliche Kuriosität im „Spand. Anzeiger“ No. 121 vom 25. Juli 1906.