Heft 
(1910) 18
Seite
326
Einzelbild herunterladen

326

7. (2. ordentliche) Versammlung des XVIIf. Vereinsjahres

die typischen, unendlich oft wiederholten Endungen (-dorf, -berg, -hagen usvv.) und den individuellen ersten Wortteil. Während in der Orts­namenforschung im allgemeinen eine Gruppierung nach den Endungen üblich ist, muß darauf hingewiesen werden, daß auch der erste Wortteil erhöhte Beachtung verdient. Unter Zugrundelegung des ersten Wort­teils lassen sich drei Ilauptgruppen scheiden:

1. Namen, die den Ort nach seiner Gestalt, Lage oder irgendeiner topographischen Eigentümlichkeit bezeichnen: Langendorf, Kortenhagen, Krnmmenhagen; Ober-, Nieder-, Mittelhagen, Hohendorf; Hohrbach, Weißbach, Mühlenbeck, Kaltenbrunn, Krummensee, Langerwisch, Wilden­bruch, Wiesenberg, Grüneberg, Mittenwalde u. a. m. Bemerkenswert sind besonders noch die Namen, die eine Beurteilung des Ansiedelungs­geländes enthalten: Steinfelde und Dörrenfelde im Gegensatz zu Lichter­felde und Schönefeld. Unendlich häufig und vielgestaltig sind ein Zeichen der hoffnungsfreudigen Stimmung der Kolonisten die Zu­sammensetzungen mit Schön;

2. Zusammensetzungen mit den Namen von Pflanzen lind Tieren. Von den Pflanzen begegnen am häufigsten die Waldbäume und hier wieder einige Laubhölzer (Linde, Buche), während die Nadelhölzer sehr zurücktreten. In den mit Tiernamen gebildeten Ortsbezeichnungen sind am meisten die heimischen Tiere vertreten: Hirsch, Reh, Falke, Schwan u.a. Bei Zusammensetzungen mit ausländischen und Fabeltieren (Lowe und Greif) wird oft das Wappentier des Grundherrn für die Wahl des Namens maßgebend gewesen sein;

3. Zusammensetzungen mit der Bezeichnung von Personen- und Völkernamen:

A. Zusammensetzungen mit Personennamen. Außerordentlich häufig ist die Benennung nach dem Ortsgründer (Fredersdorf-Friedrichsdorf, Conradswalde und viele andere), verhältnismäßig selten die Verbindung mit Heiligennamen (Mariendorf, Anuaberg);

B. Zusammensetzungen mit Standesbezeichnungen weltliche und und geistliche weisen ebenfalls auf den Ortsbesitzer hin: Fürstenberg,

I lerzogswalde, Schmargendorf (= Markgrafendorf), Königsfeld, Vogts­hagen, Schulzeudorf; Pfaffendorf, Papenhagen, Bischdorf ( Bischofs­dorf), Klosterwalde, Mönchhagen, Frauendorf (Besitz eines Nonnenklosters), Propsthain u. a. m.;

C. Zusammensetzungen mit Völker- und Stammesnamen: Flemingen, Flemsdorf, Sachsendorf, Frankenberg, Frankenhausen u. a. m. Die Ver­breitungsgebiete der einzelnen Namengruppen sind zu beachten; sie bieten einen gewissen Anhalt für den Anteil der verschiedenen deutschen Stämme an der Kolonisation des Ostens.