Heft 
(1910) 18
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Dr. Grabow.

nachweisen, daß die Aussprache des Hochdeutschen im Munde der Gebildeten Berlins und der Mark besser ist, als die Aussprache des Sachverständigen in Siebs Grundzügen.

Ich frage: Schmied oder Schmitt? Welchem Deutschen fällt es ein, in dem bekannten Gedicht vom Grobschmied o kurz aber i lang zu sprechen? Wie spricht das deutsche Volk das i'f In Berlin und in ganz West- und Mitteldeutschland spricht mans kurz, und im Berliner Adreßbuch, bei dem doch Deutsche aus «allen Gegenden des Vaterlandes sich gemeldet haben, stehen etwa 7150 Schmidt und Schmitt, aber nur 422 Schmied und Schmit, und bei letzteren ist es uoch zweifelhaft, ob es nicht genau auf mit reimt.

Ebenso ist es mit der Aussprache des Wortes Hof. Man sagt allerdingsauf dem Höfe, aber die einsilbige Form hat in Berlin und in ganz Norddeutschland kurzen Vokal; im Berliner Adreßbuch haben 715 Einwohner ihre Karte mit Hof abgegeben, und es mag zweifelhaft sein, ob sie das u kurz oder lang ausgesprochen wissen wollen; diesen stehen aber mehr als 3700 gegenüber, die ihren Namen mit ff schreiben, z. B. Hoffmann, deren o also unzweifelhaft kurz ist.

Ich frage weiter:Wird ein Rad am Steuer und ein Rat bei der Steuer-Verwaltung, Post (w.agen) rad mit kurzem oder langem a ge­sprochen? Siebs sagt S. 12 mit langem: das Ratschlagen der Rats­herren und das Radschlagen der Turner soll also durchaus gleich ge­sprochen werden. Was sagt das Berliner Adreßbuch dazu? Es gibt keinen, der sich Rad schreibt, wohl aber gibt es 0 die sich Radt schreiben und sich sehr wundern würden, wenn man sie mitHerr Rädt anreden würde. Es gibt ferner 145 Radke, aber weit mehr als 300 Radtke. Daraus schließe ich, daß das n in Rad noch heutigen Tages kurz ist und ich spreche Fahrrad mit kurzem, aber Kommerzienrat mit langem n und wer unbefangen spricht, wird ebenso wenig von einem Fahrrät, wie von einem Kommerzienrad sprechen, wird auch nicht Veranlassung geben einen Steuerrat mit einem Steuerrad zu verwechseln.

Zum Schluß will ich noch etwas über die Aussprache des ny am Wortende sagen.

1. Heißt es:Bleibe nicht so lang[?] oder so langk?

2. Wenn man fragt:Wie lange ist er umher geirrt? antwortet man da:tagelang odertagelangk?

Die alten Deutschen sprachen das Wort lang mit /«-Schluß und schrieben auch Jane, oder hink. So schrieb auch um 1600 Rollenhagen: Alt und Jungk.

Die Sachverständigen des Grafen Hochberg aber sagen:Aus­lautendes ng darf nicht mit k -Schluß gesgrochen werden, wie es in vielen Gegenden üblich ist: also jung, Ding. Ein Grund ist nicht angegeben. Diese Aussprache ist allerdings in ganz Süddeutschland die