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I>r. Urabow.
Unterschied, der noch in mhd. Zeit in der schriftlichen Darstellung seiuen Ausdruck fand, in neuhochdeutscher Zeit zwar nicht mehr geschrieben, aber doch wenigstens noch gefühlt wird, denn weder in Süddeutschland noch in Norddeutschland darf man sagen: er ist stundenlange ausgeblieben. In der Aussprache von stundenlang weichen beide allerdings von einander ab: Süddeutschland spricht stundenlang’, Norddeutschland stundenlangk und gibt dieselbe Aussprache auch dem Eigenschaftswort, wenn es aussagend gebraucht wird: in Schwaben z. B. ist der Stock lang’, in Sachsen aber ist er langk. Die verschiedenen Aussprachen lassen sich kurz so bestimmen: ln Nord- und Mitteldeutschland wird die Lautverbindung mj, wenn sie im Auslaut steht, immer wie nyk gesprochen, und nur im Inlaut wie ««/’; ob Inlaut oder Auslaut vorliegt, erkennt man daran, ob noch ein e hinzugefügt werden kann. So sagt man Jiing’ling, denn man kann sagen „der Jüngeling“; aber man sagt Jungkfrau, denn Jungk steht im Auslaut, (wie in Junker, Jungherr), junge Frau hat eine andere Bedeutung. In Süddeutschland spricht man allerdings die Lautverbindung ny, mag sie im In- oder im Auslaut stehen, unterschiedlos immer wie ny\ obwohl noch im 13. Jahrhundert Neidhardt, ein Baier, reimte dune — yesunr usw. Ein alter Mann in Schwaben sagt also: „als ich noch jnng’ war“ und überläßt es dem Hörer, die Wahl zwischen jungk und Junge zu treffen. Sagte es eine alte Frau in Norddeutschland, so würde sie bei jedem Landsmanne, der natürliches nnverkünsteltes Sprachgefühl hat, die Vorstellung erregen, sie sei in ihrer Jugend wild wie ein Junge gewesen. Der Schwabe sagt: jung’ bleiben das ist Lebenskunst; der Norddeutsche aber sagt: jungk bleiben; — jung’sJunge bleiben nur die Albernen.
Wie sehr man durch die süddeutsche Aussprache des ny dem Hörer das Verstehen erschwert, kann man am besten sehen, wenn man in besonders konstruierten Sätzen spricht, z. B. Spazieren ging’ ich, wenn ich Zeit hätte? — hatte? Jetzt darf ich wohl die Frage stellen:
1. Welche Aussprache ist grammatisch und geschichtlich begründet, die süddeutsche ohne 7c-Schluß oder die norddeutsche mit /.•-Schluß?
2. Welche Aussprache gibt am wenigsten Veranlassung zu Miß- vei’ständnissen?
3. Welche Aussprache ist die am meisten verbreitete?
4. Welche Aussprache verdient also den Vorzug? Antwort: die mit fc-Schluß.
Aus welchen Gründen?
1. Sie ist sprachgeschichtlich begründet.
2. Sie ist deutlicher, d. b. sie gibt keine Veranlassung zu Mißverständnissen.