Heft 
(1910) 18
Seite
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Die ilinlektfreie Aussprache des Hochdeutschen in der Mark Brandenburg. 429

3. Sie wird von etwa 40 Millionen gesprochen, während die ohne /.-Schluß nur von höchstens 24 Millionen, wenn die öster­reichischen Deutschen mitgerechnet werden, gesprochen wird.

4. Sie verdient den Vorzug auch aus dem Grunde, weil die Aus­sprache der Mehrheit zugleich die der führenden Bevölkerung Deutschlands ist.

Aus dem allen ergibt sich:

Die von dem Grafen Ilochberg berufene Kommission zur Regelung der Bühnenaussprache lehrt eine Aussprache, die in vielen sehr wichtigen Punkten gegen die geschichtliche Entwickelung der Sprache verstößt, und deren Unrichtigkeit durch geschichtliche, grammatische, statistische und lautphysiologische Gründe bewiesen werden kann. Die Aussprache der Gebildeten in Berlin, in der Mark und im ganzen Nordosten Deutschlands ist besser und richtiger, denn sie entspricht allen An­forderungen, die seitens der Geschichte, Grammatik, Statistik und

I.autphysiologie an sfe gestellt werden können.

Ich habe hier nur einen kurzen Abriß über einige wichtige Punkte der Aussprache bieten können; denn das, was ich Ihnen vorzutragen die Ehre hatte, ist bei weitem nicht alles, was man der von den Herren Sachverständigen verübten Regelung der Bühnenaussprache vorwerfen kann; ich könnte Ihnen noch anführen:

1. die Regelung der E-Laute, ob es z. B. heißt

sehr schwer oder e e, oder ö e, oder e e zehn Zehen ,, » » » » »

gehen und sehen, ehren und begehren, lehren und leeren sind keine genauen Reime,

2. die Aussprache der Doppellaute:

ai und ei wird nicht wie äe sondern wie äi,

äu eu gesprochen,

3. die Aussprache des <j im An-, In- und Auslaut der Stammsilben und Endsilben,

4. die Aussprache apostrophierter Silben usw.,

doch würde ich, wenn ich alle Fehler, die die Herren Sachvei ständigen gemacht haben, aufdecken, begründen und durch richtigere Regeln ersetzen wollte, nicht eine Abendstunde, sondern viele ganze Abende dazu verwenden müssen. Ich wollte durch diesen Yortiag nur die gut Deutsch sprechenden Berliner und Märker davor warnen, sich nicht durch zwei Vorurteile blenden zu lassen, das eine, man müsse ßpiechen, wie man schreibt, das andere, man müsse sich nach der von Sachver­ständigen geregelten Bühnenaussprache richten. Die Unrichtigkeit ei ei