Heft 
(1910) 18
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13. 10. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.

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Schalt dynon naher neynen Unterkop doen, nn Schalt dy genügen laten am rechten, der weg to bestedigt sind! Rat und Bürger standen mit den Herren im besten Einvernehmen, und die Stadt verdankt ihnen den größten Teil ihrer Feldmark und die Lehnschulzen die Wirtschaften. Die Herren, ihre. Mannen, Kolonisten und Mönche verrichteten gemein­sam die ihnen gestellten Kulfuraufgaben. Die Stadtmauer mit ihren Wyck- und Lughäusern (1330-40), die Tore, die Kuhburgen, das Kloster, die Hospitäler und die stattliche Marienkirche wurden erbaut. Die Nachbarklöster Ruppin, Lindow, Zehdeniclc, Himmelpfort, Marienfließ und Heiligengrabe halfen mit. Schon 1262 verlieh Johann IL Gransee die Rechte seiner alten Stadt Brandenburg. Um diese Zeit herrschte hier blühender Wohlstand. 1316 kämpfte bei Gransee der große Waldemar gegen die mit Witzlaff von Rügen verbündeten Fürsten, nachdem er der Stadt Stralsund Beistand gegen den sie belagernden Witzlaff geleistet hatte. Am roten Luch, wahrscheinlicher aber zwischen Gransee und Schulzendorf tobte die erfolglose Schlacht. Der Friede zu Templin be­stätigte jedoch Waldemars bisherigen Besitz.

1348 öffnete auch Gransee dem falschen Waldemar das Tor. In den Zeiten der Rechtsunsicherheit unter den Bayern hausten in der Um­gegend viele Raubritter, besonders genannt werde Tacke de Wontz (Wunsch) to Predulyn (Predöhl, Gartz, Winterfeldt, Walslewe und Hans Liidecke vom roten Haus (Warte imfalschen Waldemar.) Die Hansa hielt in Gransee eine Warenniederläge; dafür hatten die Bürger Damm­zollfreiheit auf den Hansastraßen. Aus jener Zeit stammt unser dem Hamburger ähnelndes Stadtwappen mit den 3 Türmen.

Als 1524 Wichmann, der letzte Graf von Ruppin, starb, trat Joachim I. das Erbe an, und als Stellvertreter des Vaters nahm der Kurprinz Joachim II. die Huldigung der Stände und Bürger am Sonn­abend vor Ostern entgegen. Der erste Landeshauptmann, Matthias von Oppen, wohnte in Alt-Ruppin. Nach Einführung der Reformation wurde 1541 in Neu-Ruppin der erste deutsche Gottesdienst nach lutherischer Weise abgehalten; hier war der Klosterkonvent noch vollzählig bei­sammen. Als aber 1561 der letzte Guardian Joachim Heins starb, ver­kaufte Joachim II. das Kloster an die Stadt für 200 Gulden mit der Bedingung, daß es für Schulzwecke zu erhalten sei. Für den kurfürst­lichen Hof mußte ferner ein Zimmer bereit gehalten werden. Später hielten die Reformierten darin ihre Gottesdienste ab. Dem 30jährigen Kriege ging hier 1611 die Pest vorauf, die in wenigen Monaten 1500 Menschen dahinraffte. 1621 wurde die Stadt durch den Brandstifter Joachim Tempel-bis auf 30 Häuser in Asche gelegt, er wurde am 13. Mai 1625 im Eichgrund lebendig verbrannt. Auf dem Zuge nach Stralsund kamen Wallensteins Horden in unsere Gegend und trieben wöchentlich 2000 Taler Kontribution ein. 1627 erschienen die Danen,