Heft 
(1910) 18
Seite
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l:i. ( 10 . außerordentliche) Versammlung des XVIII, Vereinsjahres. 435

Juli 1808. Allein für Beköstigung der Truppen hatte Gransee 25000 Taler zu zahlen. 180!) folgte die letzte Lieferung: 2 Wispel Hafer, 90 Zentner Heu und 3 Schock Stroh an das Feldlager der Franzosen bei Spandau. Vom 7. Mai 1812 bis zum 30. Juni lagen hier 2 Obersten, 314 Offiziere und 8507 französische Mannschaften im Quartier. Bis zum Dezember 1813 kamen hier 2940 Offiziere und 8682 Gemeine durch. Infolge desAuf­rufs an mein Volk brachten die Bürger zur Ausrüstung von hiesigen Landwehrmännern 797 Taler auf und sandten 1044 Taler an die Kriegs­kasse. \on August 1814 bis März 1815 lag hier eine Batterie preußischer Fuß-Artillerie in Standquartier. 1819 besichtigte Friedrich Wilhelm III. und 1820 der Kronprinz das Luisendenkmal, das die Stadt, der Kreis Kuppin und die Frignitz aus freiwilligen Gaben hatten erbauen lassen. Gransee hatte damals ein Hauptzollamt, Fischerwall ein Grenzzollamt. 1837 wurde die Stadt durch die Provinzialchaussee Berlin-Neustrelitz dem weiteren Verkehr erschlossen. Noch 30 Jahre ließ der Telegraph auf sich warten. Seit 1706 vermittelte die erste Binnenpost den Verkehr, die als Boten-, Reit-, Fahr- und Personenpost eingerichtet war. Nach Herstellung der Chaussee dauerte es jedoch noch 40 Jahre, bis das Schmerzenskind unserer Stadt und Gegend, die Nordbahn, eröffnet werden konnte, die jetzt eine so wichtige Rolle bei der Versorgung des Berliner Marktes mit Kartoffeln, Milch, Mehl, Getreide, Eier, Obst, Gemüse u. dergl. spielt und auch Baumaterialien liefert. Daß Gransees Bürger auch in den letzten Einheitskriegen redlich ihre Schuldigkeit getan haben, be­weisen die Namen der Gefallenen auf den Denkmälern. Auch die junge deutsche Marine hat unter ihren Helden und Opfern Söhne unserer Stadt zu verzeichnen: Der Unteroffizier Thamm ging mit dem Eber vor Apia unter; Deckoffizier Schwarz verunglückte beim Exerzieren mit Zündern in Friedrichsort. Die Natur und die sonstigen Verhältnisse unserer Stadt bedingen eine gewisse Beharrlichkeit der Bewohner; doch sind sie mit der Zeit mitgegangen, wie die elektrische Beleuchtung, die Einrichtung der Obstplantagen und das Projekt der Wasserleitung beweisen.

Was nun die Baulichkeiten der Stadt betrifft, so wird das Heilige Geist-Hospital schon 1315 erwähnt, die Marienkirche um 1260 und die Klöster 1270 80. Die Mauer erstand 1330 40. Das alte Rathaus brannte 1606, 1621 und 1721 aus. Es war 1604 aus den Resten der Klosterkirche erbaut worden. 171415 wurde das Rathaus an seiner jetzigen Stelle errichtet. Die Bürgerschaft mußte Staatsbeihilten zum Bau erbitten, da sie selbst zu arm war. Von der Kirche ist nur der Ostgiebel in alter Schönheit erhalten. Brände zerstörten die übrigen 'feile des öfteren. Nach dem großen Brande von 1712 stand die Kirche 10 Jahre lang ohne Türen und ohne Dach. Friedrich Wilhelm I. ver- ordnete, daß alle evangelischen Kirchen der Mark 3 v. II. ilnes Bai­vermögens zum Bau der Granseer Kirche zu leisten hätten, aber die