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13. (10. außerordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinajahres.
Spenden liefen nur spärlich ein, und erst 1740 war die Kirche notdürftig hergestellt. Das Gestell des Taufbeckens ist 1604, das Hecken selbst 1038 (Pestjahr) angefertigt. Von den Toren steht nur noch das Ruppiner in seiner alten Schönheit. Bis 1819 stand vor ihm ein zweites, kleineres. Die schräge Stellung erschwerte aber den Verkehr zu sehr, und so wurde es niedergelegt. Das Zehdenicker- hieß früher das Johannistor. Nach seinem Einsturz bei einem grollen Sturm im Jahre 1715 baute man dafür erst viereckige, dann runde Pfeiler. 1822 rill man das Torschreiber- und 1838 das Dammzoll-Einnehmer-Haus ab, um dem gesteigerten Verkehr Rechnung zu tragen. Das Luisendenkmal wurde 1811 nach Plänen des Oberbaurats Schinkel angefertigt und aufgestellt; es stammt aus der Königlichen Eisengiellerei in Berlin. Die Herstellungskosten betrugen 3165 Taler. An der Knthüllungsfeierlich- keit nahmen am 19. Oktober 1811 als Ehrengäste teil: Prinz Karl, sein militärischer Erzieher Generalleutnant von Viereck, Graf llenckel von Donnersmark, Staatsrat von Kleewitz und die frühere Oberhofmeisterin von Voß. Ferner waren erschienen der Kammerherr von Ortzen, Land- rat von Zieten und llofprediger Eylers.
Endlich machte der Vortragende über das Innungswesen folgende Mitteilungen: Als älteste Innung gilt die der Schneider; schon 1231 erhielt sie ihr Privileg. Die Schuhmacher folgten 1291, die Tuchmacher und Schlächter 1301, die Bäcker 1307. Die Privilegien der Schuhmacher wurden 1360, die der Schneider 1393 nochmals bestätigt. Die Leinweber erhielten die zweite Bestätigung 1734, die Stellmacher 1715, die Schmiede und Böttcher 1717. 1746 zählte man in Gransee 4 Kaufleute, 40 Schuhmacher, 22 Leinweber, 41 Tuchmacher, 15 Schneider, 92 Ackerbürger, 1837 dagegen 44 Schuhmacher, 25 Leinweber, 23 Tuchmacher, 15 Schneider, 6 Kaufleute und 80 Ackerbürger.
Am Nachmittage besichtigte die Brandenburgs die Plantagen der Brandenburgischen „Obst- und Traubenzucht-Genossenschaft“, der die Stadt vor einigen Jahren 42 Morgen Land vor dem Ruppiner Tore in der Nähe der alten Warte überlassen hat. Besonders die großen in Gewächshäusern gezogenen Tafeltrauben erregten das Interesse der Mitglieder, und die Besitzer erzielten einen beträchtlichen Umsatz. Sodann wurde der Wartturm selbst bestiegen, an den Willibald Alexis bekanntlich die ergötzliche Erzählung von den überaus friedlichen Feinden knüpft. Der unaufmerksame Wächter sollte dort oben mit dem gefangenen Raubritter, der die Stadt plündern wollte, um das Leben kämpfen. Beide Umschriften aber einträchtiglich Arm in Arm die Zimmer des Turmes und warfen nach gemeinsam verzehrtem Frühstück den um den.Turm gelagerten erwartungsvollen Granseern die Schinkenknochen gegen den Kopf. Da erschien plötzlich der falsche Waidemai’,