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Kleine Mitteilungen.
- Der eigentlichen Bitte war wohl eine sogenannte „Bescbreiung“ beigegeben, die den Geber milder stimmen sollte, weil das Bcschreien seines Wohlstandes durch einen Heimatlosen Unglück bringen konnte.
Nach mündlicher Überlieferung des 1866 zu Oderberg i. M. verstorbenen Gerichtsexekutors Fruncke, der ein Alter von 86 Jahren erreichte.
Karl Wilke.
Büleken (Brandenburgia XVII, 230) heißen in Dörfern der Nuthe- niederung die „ganz kleinen“ Kinder, wenigstens gebrauchten alte Leute dieses Wort. Auch hörte ich: „Nu hlldd de Knappcnär uns en kleen Blicken jcbracht“. Ebenda verzeichnete ich: BUlenkind cr, rechte BUIeJtcnkinger = Geschwisterkinder (Brandenburgia 1896, 190). Herr Dr. Karl Bolle teilte mir 1880 mit: „Kleine Kinder heißen in Berlin ßilcn “, und eine Frau aus Britz bei Berlin sagte mir (1884?): „Kleine Kinder, etwa so lange sie getragen < werden, heißen B üleke ns“ („auch Bülen“?);, Kluge hat: „Buhle mhd. buolc „naher Verwandter, Geliebter, Liebhaber.“ Im Mndd. bezeichnet böle den nahen Verwandten und besonders den leiblichen Bruder, wozu noch jetzt , ndd. Mundarten — z. B. Neumark bileken (— kinner) Pommern böele böeleken „Geschwister“ — stimmen (auclT’auf der Khön bülich „Geschwisterkinder“) . . . Dann wäre asächs. * bölo „Bruder“ wohl als Kinderwort oder Koseform zu bröthar „Bruder“ aufzufassen“ u. a. m.
W. v. Schulenburg.
Alte Begräbnissitte in Oderberg-Mark. In verschiedenen Gegenden Deutschlands pflegte man das neugeborene Kind auf die „blanke“ Erde zu legen, wo es dann die Ilebeamme aufhob, dem Vater überreichte, der es damit als sein Fleisch und Blut anerkannte. Vielfach werden noch jetzt Kranke auf die Erde gelegt, damit bedeckt, die von der Sonne beschienen, hierdurch ihre Genesung erhoffen, was gleichfalls in dem Glauben an die menschengebürende und erneuernde Kraft der Mutter Erde wurzelt. Von der Erde erhielt der Mensch nach dieser uralten Auffassung Leben, Lebenskraft und Wiedergeburt.
Einen gleichliegenden Fall erlebte ich im Jahre 1906 in Oderberg-Mark anläßlich der Beerdigung des Stadtältesten C. Z., der der letzte männliche Sproß seines altangesessenen Geschlechts war. Als nämlich der alte, einundachtzigjährige Herr unter allgemeiner Trauerbeteiligung zur Erde bestattet werden sollte, ordnete seine einzig hinterbliebene und hochbetagte Schwester nach alter Familiengepflogenheit an, die Träger der Bahre, es waren Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr, sie möchten an der Grenze des Besitztums, wo sich auch die beiden riesigen Birken, die Schicksalsbäume des Geschlechts erheben, die Bahre zur Erde niedersetzen und dort einen Augenblick Halt machen. Auf meine Frage nach der Ursache des Brauchs sagte mir die alte Dame, es geschähe das, damit der Verstorbene später nach seiner Wiederkehr auf dieser Erde hier eine gute Heimat finden möchte.