Heft 
(1910) 18
Seite
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Kleine Mitteilungen,

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Als der Trauerzug etwa 100 Meter von dem Hause entfernt, diese Grenze erreichte, wurde wunschgemäß gehandelt. Der Zug stockte für einige Minuten und setzte sich hierauf nach Abhaltung des Bahrrechts wieder in Bewegung. Der Vergangenheit, sowie dem uralten germanischen Auf­erstehungsgedanken war somit Genüge geschehen. K. Wilke.

DasEleffnette. Fischereigeschichtliches aus der Mark. In den Mitteilungen des rühmlichst bekannten Fischerei Vereins für die Mark Brandenburg Nr. 8, Band II S. 133 vom 14. 2. 1910, ist unter anderem daselver-net beschrieben worden, womit der Flußfischer in England, besonders im Severa, kleine Aale, engl, elvers geheißen, einfängt. Es ist das elver-net eine Art Käscher to cash = fangen, haschen aber mit einem viereckigen, schippenförmigen Rahmenholz, das einen flachen Netzsack und einen längeren Schaft als Hand­habe hat. Die kleinen fast durchsichtigen Aale haben in der Mark vordem Eleff geheißen, das sind die Öligen, die Schlüpfrigen.

In einer Urkunde der Markgrafen Otto und Waldemar von Brandenburg, am St. Georgentage d. J. 1308 zu Prenzlau ausgestellt, nach welcher diese Fürsten die ihnen gehörigen Oderflschereien der Burg Oderberg dem Kloster Chorin übertragen, welche den beidenSlawendörfern Liepe und dem wendischen Kietze zu Oderberg i/M. beilagen, in dieser Urkunde werden das Eleffnette, die Povarde, die Rüsen und die Vlote als bekannte Geräte der heimischen Kleinfischerei aufgeführt. Es sind dieses echtniederdeutsche Bezeichnungen für das Fischergerät und dazu stehen im Gegensatz die Slawen und Wenden der Urkunde, welche diese Geräte benutzten, sich selber diese seit Alters verfertigten und natürlich in ihrer Mundart benannten. Bei der Zähigkeit mit dem gerade dieser, seit Urzeiten fast, privilegierte und deshalb besonders seßhaft gebliebene Bevölkerungsteil am Alther­gebrachten und seiner Ausdrueksweise anhängt, wäre ein schneller Um­schwung seiner ererbten Sprache undenkbar. Die Fischer werden also, wie auch heut noch, hier ihr geliebtes Platt oder Niederdeutsch gesprochen haben. Das findet eine weitere Bestätigung, da die Flußfischer Englands seit Ur­väterzeiten für Geräte und Hantierungen dieselben niederdeutschen Worte gebrauchen, als Beweise ihrer nahen Stammverwandtschaft. Es können das also keine jüngeren slawischen Anleihen sein, sondern sie müssen jener Zeit entstammen, wo die angwäonischen Kolonisten Englands noch in ihrer alten niederdeutschen Heimat saßen, hier an Slawen nicht zu denken war.

Es bliebe nur noch die Annahme übrig, daß die in märkischen, in pommerschen, in mecklenburgischen Urkunden des Mittelalters gebrauchten Unterschiede zwischendeutsch-wendisch-slawisch« einen andern Wortsinn hatten nicht Nationalitäten, sondern wirtschaftliche Klassenunterschiede kennzeichneten. Sie sind rein wirtschaftlicher Natur, vielleicht in dem Sinne, zu verstehen wie wir z. B. vonpolnischer Wirtschaft, von russischen Zuständen u. s. w. sprechen, die in des Wortes Bedeutung nicht nur den Polen und Russen allein nachgesagt werden. Karl Wilke.