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2. (1. außerordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
Lanke schiffbar, mindestens flößbar und eine direkte Wasserstraße von der Krummen Lanke durch den jetzt fast völlig verschilften und vertorften Rhinmeistersee bis zum Grunewaldsee vorhanden gewesen. Hier läge kein geologisches und auch kein auf erheblicheren Gefälleverschiedenheiten beruhendes Hindernis vor.
Herr Friedel machte ferner auf das die Grunewaldabhänge nach den Seen zu d. h. nach dem Nikolassee zu usf. bis Paulsborn begleitende, von ihm seit fast fünfzig Jahren beobachtete Vorkommen der in der Brandenburgia öfters vorgelegten und besprochenen Süßwasser-Deckelschnecke Paludina diluviana Kunth aufmerksam. Namentlich häufig ist diese Leitfossilschnecke in der jetzt gesperrten Sandgrube von Paulsborn und in der nordöstlich von der Krummen Lanke belegenen tiefen Kiesgrube. Überall befindet sich hier aber diese eigentlich dem tieferen Diluvium angehörigen Schnecke auf zweiter oder dritter, nicht auf der ursprünglichen Lagerstätte.
Über diese interessante Schnecke, die Herrn Friedei aus mehr wie 100 Fundorten der Provinz bekannt, ist demnächst eine .ausführliche Publikation von dem Landesgeologen Herrn Dr. Kaunhowen zu erwarten.
Desgleichen werde verwiesen speziell wegen der mittleren Grune- newald-Seenkette auf Publikationen, die demnächst in der von Professor Dr. Potonie herausgegebenen bekannten Naturwissenschaftlichen Wochenschrift ihrer Veröffentlichung entgegensehen.
Außerdem ist eine Vereinigung von Naturfreunden im Werden, welche für die Erhaltung der Grunewaldseen mit Rat und Tat und Wort und Schrift eintreten will. Herr Oberlehrer Dr. Friedrich Fedde, Deutsch-Wilmersdorf, Weimarsche Straße 3, hat in dankenswerter Weise die Organisation und das Schriftfiihreramt übernommen. Herr Friedei fordert zur Beteiligung auf und macht darauf aufmerksam, daß die Brandenburgia wie wiederholentlich schon früher so auch fortan ebenfalls für die möglichste Erhaltung des Grunewalds in seiner Ursprünglichkeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eintreten werde. Dies wurde von der Versammlung beifälligst begrüßt.
Während der Erholungspause im Wirtshaus „Zur Krummen Lanke“, wo der Kaffee eingenommen wurde, gab Herr Bibliothekar Dr. Gustav Albrecht-Charlottenburg eine Überblick über die Geschichte des Grunewalds und versuchte unter Benutzung der Ergebnisse der neuesten vorgeschichtlichen und geschichtlichen Forschungen nachzuweisen, daß es im Interesse der märkischen Heimatkunde läge, den Grunewald mit seinen historischen Stätten in dem jetzigen Umfange zu erhalten. Mit der Geschischte des Waldgebiets ist die unseres Herrscherhauses vielfach verknüpft, und auch aus diesem Grunde ist die Erhaltung des Grunewalds geboten.