Heft 
(1907) 16
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11. (3. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.

In demselben Jahre fand im Aufträge der Akademie der Wissenschaften zu Kopenhagen auch eine wissenschaftliche Durchforschung des Geländes von seiten des dänischen Geologen Johnstrup statt. Nahe dem Krater, der sich wieder beruhigt hatte, dehnte sich ein weiter, über 200 m tiefer Kesselbruch aus. An seinem Grunde und an seinen Gehängen sprangen Geysire, fauchten Schwefelquellen und quollen heiße Sprudel empor. Nur fünf Tage vermochte sich Johnstrup in dem unwirtlichen Gebiete zu halten; ihm konnte er nur zwei geologische Studien widmen wegen des Nebels, der dann eintrat. 1884 ist die Askja dann noch einmal von wissenschaftlicher Seite aufgesucht worden, und zwar von dem isländischen Geologen und Geographen Thorwaldur Thoroddsen. Lediglich einen Tag konnte er wissenschaftlich tätig sein. Er konstatierte, daß in dem Einbruchskessel sich ein kleiner See angesammelt habe mit lauwarmem Wasser (17°C). Nicht wenig waren wir daher erstaunt, als wir am 1. Juli d. J., morgens 5 Uhr, bei der Ankunft im Südosten der Askja einen großen See vorfanden, den eine grüne Eisdecke überzog. Der See war, wie ein Vergleich der Karte Thoroddsens mit den wirk­lichen Verhältnissen lehrte, bedeutend an Umfang und somit auch an Tiefe gewachsen. Aus einem ausgedehnten Areal sammeln sich in ihm die Niederschläge, ohne einen Abfluß zu finden. In diesem See ertranken am 10. Juli nachmittags meine treuen Freunde Walter von Knebel und Max Rudloff, mitten in der Ausübung ihrer Forschertätigkeit. Ihnen zum Gedächtnis sei der See fortan Knebelsee, der Krater Rudloffkrater benannt, eine Bezeichnung, welche die Isländer auf meine Veranlassung bereits angenommen haben. Der Rudloffkrater hat sich gleich dem Knebelsee seit Thoroddsens Anwesenheit ebenfalls beträchtlich verändert, in seiner Tiefe brodelt ein kochender See, umrahmt von rauchenden Schwefelquellen.

Das Unglück ist sicherlich durch das Zusammenklappen eines aus zwei Stücken bestehende linnenen Falt-Bootes enstanden, das zu besteigen, Spethmann, die furchtbare Gefahr richtig überschauend, sich mit Recht weigerte. Zugegen gewesen ist Spethmann bei dem Verunglücken seiner Gefährten nicht, Spuren sind von ihnen nicht wieder aufgefunden und er hat nach mehrtägigem fruchtlosen Abwarten den Rückweg antreten müssen, wobei ihm Ilerr Sigurdson, Leitender des isländischen Lehrer­seminars und einer der besten Ileiinatkundigen Islands als Führer Hülfe leistete. Ich lege Ihnen eine Kabinettsphotographie hergestellt in Akureyri vor, welche beide Herren in charakteristischer Weise zeigt.

Herr Spethmann ist bereits bei mir gewesen, reist jetzt nach seinem Elternhause in Lübeck und wird als Gast in unserer Mitte, vermutlich schon in der Sitzung am 30. Oktober, erscheinen.

Vorläufig freuen wir uns über seine glückliche Errettung von Herzen.