15. (4. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
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für die Mark Brandenburg) darüber folgende Auskunft. „Dieser Punkt hieß“ — nach Angabe des Herrn Oberleutnant von Pfuel-Jahnsfelde — „früher die Spukecke. Als die Chaussee gebaut wurde, fand man ziemlich flach im alten Weggraben eingegraben drei Gerippe mit einigen Fetzen und Uniformknöpfen. Sie wurden auf dem Kirchhofe beigesetzt, und mein Vater setzte das Kreuz an die Stelle. Nun spukt es nicht mehr. Man erfuhr später von einer alten Frau aus Hardenberg, daß 1812 dort ein Gefecht stattgefunden mit Heimkehrenden der Großen Armee, und sie hätte verwundete Italiener von dort über Jahnsfelde an die große Hauptstraße transportieren müssen. Kurz vor Jahnsfelde seien 3 gestorben, die man dann dicht am Wege eingescharrt hätte.“
2. Der tote Franzose in Potsdam.
Ein Tanzlokal Luisenstr. 71 führte früher den Namen „zum toten Franzosen“. Nach einer Mitteilung in der Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Potsdams war der am 18. März 1850 „wirklich“ verstorbene Begründer und Inhaber des Lokals der aus der Nähe von Lyon gebürtige Franzose Josö Boise, welcher 1812 Soldat wurde, bei Leipzig am 19. Oktober 1813 schwer verwundet und dann gefangen wurde, als Verwundeter nach Potsdam kam, dort anscheinend starb und in dem offenen Massengrabe auf dem alten Kirchhofe begraben, d. h. mit einer Kalkschicht bestreut wurde. Er erschien dann in der Nacht am Fenster des Totengräbers, wurde von diesem zunächst aufgenommen, verpflegt und dann in das Lazarett gebracht.
Nach seiner Genesung fand er Aufnahme und Beschäftigung bei dem Kaufmann Nevir-Potsdam; er verheiratete sich mit einer bei Nevir bediensteten Marie Fischer uud gründete mit ihr zusammen ein kleines Viktualien- und Schankgeschäft Luisenstr. 71.
Seiue Enkelin ist Schülerin der 1. Klasse der unter meiner Leitung stehenden 70. Gemeindeschule. Ihre Gesichtsbildung verrät (dem, der die Geschichte weiß) die französische Abstammung.
G. Anderweitige Mitteilungen.
Herr Professor Dr. Otto Pniower legte das eben erschienene Buch Jugenderinnerungen von Gustav Parthey. Handschrift für Freunde. Neu herausgegeben von Ernst Friedei mit folgenden Worten vor:
Als Motto steht auf dem ersten Blatt dieses Werkes der Spruch: Bene qui latuit, bene vixit. Wer sich gut zu verbergen verstand, der bat gut gelebt. ,
Diese Worte bezeichnen recht das Wesen des Verfassers, dem eine starke Scheu und Schüchternheit eigen waren. W “ .™ te . r * ade " zieht sich diese Zaghaftigkeit, diese Furcht vor der'Öffentlichkeit.durch die Memoiren. Wenn Gustav Parthey aber nach außen hm nicht hervor-