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15. (4. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjaliros.
trat, so war er deshalb doch kein tatenloser Manu. Vielmehr hat er eine stille, aber keineswegs geringe Wirksamkeit entfaltet.
Seine äußere Laufbahn ist merkwürdig und ungewöhnlich. Er war Verlagsbuchhändler und zugleich Gelehrter und zwar ein so hervorragender, daß ihm die große Auszeichnung zu teil ward, Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften zu werden. Er wurde im Jahre 1857 an demselben Tage wie Theodor Mommsen in die Körperschaft auf- genommen. Sein Fach war einmal die Geographie des Altertums: verschiedene Schriften antiker Geographen hat er herausgegeben. Daun aber beschäftigte ihn vorzugsweise die Geschichte Egyptens. Er schrieb ein lateinisch-koptisches Wörterbuch. Daß die Kenntnis dieses Idioms, der jüngsten Gestalt der ägyptischen Sprache, zur Erklärung der hioroglyphischen Inschriften unerläßlich ist, hat er mit Erfolg dargetan. Er hat weiter auf Grund der Kenntnis dieser Sprache die Berichte der klassischen Schriftsteller über das Pharaonenland geprüft und durch die Vergleichung mit den einheimischen Denkmälern auf ihren wahren Wert zurückgeführt. Wiederholt hat er das Land beschrieben und einzelne Teile geschichtlich behandelt. Aber auch Wanderungen durch Sizilieu und die Levante hat er unternommen und darüber berichtet. Endlich war er ein leidenschaftlicher Sammler, besonders von Gemälden und Münzen und hat sich auch auf diesem Gebiete als Schriftsteller betätigt.
Er war ein Enkel Friedrich Nicolais und erbte das Geschäft, das er vom Jahre 1825 bis zu seinem Tode im Jahre 1872 leitete. Kurz vor seinem Ilinscheideu schrieb er nun zunächst für die Familie diese Erinnerungen. Sie reichen etwa von 1806 bis zum Jahre 1821.
Das Ilaus Friedrich Nicolais war ein Mittelpunkt des geistigen Lebens Berlins. Das blieb es auch noch lange Zeit nach seinem Tode, der am 11. Januar 1811 erfolgte. Die meisten irgendwie hervorragenden Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft verkehrten dort. Was damals von Männern und Frauen der Öffentlichkeit nach Berlin kam, versäumte selten in dem Nicolaischen llause vorzusprechen. Zu vielen Orten und Menschen unterhielt der Verlag Beziehungen. Sie reichten bis in die höchsten Kreise hinein. So war Partheys Vater mit der Herzogin Dorothea von Kurland, die in Berlin im Anfang des vorigen Jahrhunderts Unter den Linden ein Palais, das kurländische Haus, bewohnte, intim befreundet. Auch diese Fürstin versammelte einen Kreis von Berliner Notabilitäten um sich. In die von dem Erzähler behaudelte Zeit fallen nun aber auch jene große Ereignisse: der Krieg
von 1806, der Fall Preußens, die Besetzung der Hauptstadt durch die Franzosen, der triumphierende Einzug Napoleons und dann die glänzende Erhebung von 1813 — 15. Man sieht: Parthey hatte wirklich etwas zu erzählen. Dazu kommen noch Reisen durch Deutschland, Frankreich und England, die er schon als junger Mann unternahm. An Stoff fehlte