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15. (4. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
gegenüber dem jetzigen jüdischen Friedhof. Anfangs ging die Sache leidlich; später hatte er jedoch Unglück. Es war nämlich eines Tages ein Braubursche in die Braupfanne gefallen, und iin Publikum verbreitete sich das Gerücht, er sei mitgesotten und das Bier trotzdem verzapft worden. Natürlich sollte nun auch das Bier nach dem Jungen schmecken, und da war’s mit dem Geschäft vorbei, obgleich die Gäste stets gut bedient worden waren. Schließlich gab Ley die Brauerei auf, und seine Erben verkauften das Terrain mit gutem Nutzen, ln uusenn Monatsblatt ist hierüber bereits eine Notiz enthalten.
Endlich verlas Rektor Monke eine von einer ehemaligen Schülerin der 70. Gemeindeschule Fräulein Hedwig Schulz mitgeteilte Volkssage, die er alsdann in der von ihm redigierten Fassuug zur Verlesuug brachte. In dieser Form lautet „Die Sage von den Pappeln am Kirchhofe zu Putlitz folgendermaßen: Einst entstand in Putlitz ein großer Brand, der in wenig Stunden die ganze Stadt in Asche legte. Niemand konnte sagen, wie das Feuer entstanden war, bis sich der Verdacht der Brandstiftung auf zwei Herren von Putlitz-Philippshof lenkte, die einen Streit mit der Stadt gehabt hatten. Ohne das Gerücht, das sich wie ein Lauffeuer unter den Obdachlosen fortpflauzte, näher zu prüfen, ergriffen die aufgeregten Bürgei die beiden Adligen und sagten ihnen die Tat auf den Kopf zu. Da half denn kein Leugnen. Man schleppte die Unglücklichen vor die Stadt, machte auf dem dreieckigen Platz beim Kirchhofe am Wege nach Trieplitz eine tiefe Grube, warf die Herren hinein und begrub sie lebendig in voller Rüstung mitsamt ihren Rossen. Als nun aber der erste Zorn verraucht war, stiegen bei einigen Bedächtigen schwere Bedenken auf, ob man nicht doch voreilig gebandelt habe. Um nun den Streit der Meinungen zu schlichten und die Schuld oder Unschuld der beiden Putlitze an den Tag zu bringen, beschloß man, ein Gottesurteil auzurufen. Man pflanzte zwei junge Pappeln auf das Grab und meinte, sie würden schon eingehen, wenn die Herren schuldig gewesen wären; denn über Ruchlosen könnten die Bäume nicht gedeihen. Würden sie dennoch grünen, so sollte das ein Zeichen der Unschuld sein. Und was geschah? Die Pappeln schlugen sogleich Wurzeln; im nächsten Frühjahr erhielten sie neue Blätter, und in wenig Jahren wuchsen sie zu stattlichen Bäumen heran; jetzt sind sie die mächtigsten in der ganzen Gegend und ein Wahrzeichen der Stadt. Sie grünen noch heut in jedem Jahr und erinnern die Bürger an die Untat ihrer Vorfahren.
IV. Herr Prediger Dr. Runze: Karl Rosenkranz und seine Beziehungen zu Berlin. Wir hoffen diesen interessanten Vortrag in erweiteter Form als besonderen Aufsatz bringen zu können
V. Nach der Sitzuug zwangloses Beisammensein im Restaurant Alt Bayern, Potsdamerstr. 10.