19. (9. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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9. Bildliche Erinnerung an das „tolle“ Jahr 1848. Aus dem Nachlass des bekannten Reisenden Dr. Fedor Jagor, dessen Testamentsvollstrecker ich geworden bin, hat das Märkische Museum ein aus dem Jahre 1848 stammendes Bild erworben, welches ein Streiflicht auf die damaligen phantastischen Vorstellungen wirft, welche sich bei manchen jugendlichen Enthusiasten mit Lebhaftigkeit geltend machten. Das Bild ist in Öl auf Leinwand gemalt, nach Angabe des Herrn Dr. Dubois-Reymond, von dem spätem Direktor der Berliner Kunstakademie Carl Becker und hat eine Höhe von 33 cm, bei einer Breite von 27 cm.
Es stellt den genannten Maler, ferner den Künstler Heide 1, den verstorbenen Fedor Jagojr, den bekannten russischen Flüchtling und Kommunisten B akunin und noch einen bislang nicht festgestellten jungen Mann dar, wie sie auf dem Cladower Sandwerder in der Havel gegenüber Wannsee am Ufer ein Feuer angemacht haben und am Spiess einen Hammelbraten. Nach einem durchschwärmten Abend waren die Abenteurer hier gelandet, Bakunin hatte vorgeschlagen von einer Hammelheerde bei Cladow ohne weiteres ein Schaaf zu rauben- — Das Proudhonsclie Wort „Eigentum ist Diebstahl“ war ihm offenbar zu Kopfe gestiegen. Mit Mühe brachten es die übrigen Teilnehmer dahin, dass Bakunin die Bezahlung des Wolltieres gestattete. Es sollte auf der Insel ein kommunistischer Zukunftsstaat begründet und dessen Entstehen mit der Schlachtung eines Hammels und einem Gelage gefeiert werden. Die Nacht war übrigens so kühl und das angebrannte zähe Hammelfleisch schmeckte so abscheulich, dass die jugendlichen Stürmer am andern Morgen sehr ernüchtert und in katzenjämmerlicher Stimmung nach Hause kehrten.
Michael Bakunin, damals 34 Jahre alt, hatte sich nach dem Slavenkongress und dem Aufstand in Prag nach Wien gewendet, wo er mit den unruhigsten deutsch-radikalen Führern anbändelte, bis er im Oktober aus Preussen ausgewiesen wurde. In die Zeit dieses Berliner Aufenthalts fällt das Abenteuer auf dem Cladower Sandwerder. Die Tannen, welche der Maler iin Hintergründe angebracht hat, verdanken seiner Phantasie ihren Ursprung und sind nur des Effekts halber angebracht. Mir ist wenigstens nicht bekannt, dass damals dort Tannenbäume gewesen seien.
10. Hierauf hielt Herr Professor Dr. Galland einen mit lebhaftem Beifall begrüssten, durch Bilder aus dem Märkischen Museum unterstützten Vortrag, betitelt:
Die ältere Berliner Geschichtsmalerei.
Wenn wir heute von einer heimischen Geschichtsmalerei reden, so denken wir vornehmlich an den künstlerischen Abglanz der jüngsten Zeitgeschichte, deren wichtigsten Momente die Entstehung und der