Heft 
(1902) 10
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34 19. (9. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.

gezogen und erkannt wird, bekundet soviel Glaubhaftigkeit, dass man vor solchem kräftigen und durchaus modernen Realismus des Berliner Meisters des 18. Jahrhunderts allen Respekt haben muss.

Rodes Schüler Frisch, der liebenswürdige und zaghafte Frisch, wie ihn Scliadow mit Hochachtung nennt, war gleichfalls Historienmaler und trat mit seinen vaterländischen Stoßen, seinen friderizianischen Bildern ganz in die Fusstapfen seines Lehrmeisters. Eins seiner Haupt­werke,der Tod Schwerins in der Schlacht bei Prag von 1787 erinnert ebenfalls an jenes Vorbild des amerikanischen Meisters West. Der Kupferstecher Berger hat später eine zweite gelungene Komposition von FrischSeydlitz in der Schlacht bei Rossbach, 1795 ausgestellt, als Pendant zu dem Schwerinbilde auf Kupfer übertragen; beide Stiche sind in der genannten Festschrift im kleinsten Format reproduziert . . . Die Kunstausstellung von 1789 brachte wiederum ein historisches Gemälde von Cuningham:Friedrich II. in der Schlacht bei ITochkirch, wo Keith und andere preussische Generale fallen, ohne dass des Königs Mut und Kaltblütigkeit nur einen Augenblick ins Wanken kommen. Die Beschreibung im Katalog lobt die Wahrheit und die Kraft des Aus­drucks aller Gruppen und Einzelfiguren und resümiert die Vorzüge des Bildes durch die drastische Bemerkung, dass dem Beschauer die Geschichte hier bis zur Täuschung nahegeführt sei. Die Künstler schrieben sich also damals ihre Kritiken selber, und sie waren sehr zufrieden damit.

Das Berliner Publikum scheint den historischen Stoffen übrigens wirkliches Interesse entgegengebracht zu haben, sonst würden sie kaum sich dauernd behauptet haben. Selbst Daniel Chodowiecki, der bisher wohl nur vereinzelt Friderizianisches produziert hatte, wie jene Anekdote vom alten Ziethen, der vor Friedrich einnickte, und die Potsdamer Wachtparade von 1777 mit dem König zu Pferde, bietet in diesen Jahren Vaterländisches in Hülle und Fülle, mit dem er die ver­schiedenen Almanaclie schmückt: hervorgehoben sei nur der Berlinische genealogische Kalender auf 1794, welcher zwölf Tliaten Friedrichs II. illustriert und der Lauenburgische Kalender desselben Jahres mit den Verbildlichungen von sechs friderizianischen Anekdoten.

Dem 18. Jahrhundert und kürzere Zeit dem Berliner Künstler­kreise gehörte auch der berühmte Däne Asmus Carstens an, der gedankenreiche erste Klassizist unter den Malern, dessen ideale Aus­drucksweise bekanntlich das Gewand des künstlerischen Griechentums und des Cinquecentos trug. Im Jahre 1791 hat er als einziges Beispiel der vorliegenden GattungDie Schlacht bei Rossbach alsZeichnung in Braun ausgeführt; er sandte sie zugleich mit einer Argouautenskizze auf die nächste Berliner Ausstellung. Näheres darüber berichtet Schadow in denKunstansichten:Carstens, ein Künstler, den Kennern in