19. (9. ordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
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wertem Andenken wegen des hohen Stils in seinen Crayon-Entwürfen erhielt den Auftrag-, König Friedrich II. in der Schlacht von Rossbach mit Gefolge zn zeichnen; es fiel so aus wie das von B. Rode, nämlich ganz unbrauchbar“. Mit den ästhetischen Grundsätzen der klassischen Richtung war freilich bei solcher Aufgabe nichts anzufangen. Die Schlacht im Hintergründe ist nicht allzu aufregend geschildert; während vorn rechts der König zu Ross mit vorgestrecktem Krückstock einem General Befehle erteilt, so gemächlich wie auf einer Wachtparade und zwar „einer aus der guten alten Zeit“, nach den „Fliegenden“ . . . Carstens starb 1798 in Rom, ihm war Rode um ein Jahr voraufgegangen, Cuningham lebte damals längst nicht mehr und Chodowiecki folgte nach kurzem Direktorat im Jahre 1801.
So begann die Historienmalerei im neuen Jahrhundert mit für uns grossenteils neuen Persönlichkeiten. Zunächst brachte die Kunstausstellung von 1800 gleich eine Sammlung von Historien, eine Galerie vaterländisch-historischer Darstellungen in Malerei, Stich- und Handzeichnung, die — wie man im Katalog liest — „grösstenteils auf Befehl S. Maj. des Königs angefertigt“ waren. Friedrich II. nach der Schlacht bei Leuthen, jene bekannte Scene „Bon soir Messieurs“, die ja auch Ad. Menzel später packend schilderte, war ein Kupferstich von Daniel Berger nach der Zeichnung des Dresdener Professors Schubert, Friedrich II. bei Collin war ein Gemälde von Frisch, Friedrich der Grosse am Sarge des Grossen Kurfürsten ein Werk von Puhlmann, der Grosse Kurfürst mit Gemahlin bei der Belagerung von Anklam, lautete der Titel einer Malerei von Prof. F. G. Weit sch, der aus Braunschweig stammte und an die Berliner Akademie berufen war. Ferner sah man auf jener Ausstellung von 1800 vaterländische Historien von Meil d. Altern, Chodowiecki, H. A. Daehling, Rosenberg, Grätsch, Collmann, Karl Kretsclimar, Karl Kolbe, dem Kupferstecher Meno Haas Prof. H. Schumann u. a. Lehrern und Mitgliedern der Akademie.
Diese Überfülle von Werken der einen Gattung, deren Vereinigung auf der Kunstausstellung von 1800 mehr einer besonderen Veranlassung, der Jahrhundertfeier und dem königlichen Wunsche, zu danken war, konnte daher unmöglich als ein Beweis für die Einseitigkeit des Berliner Kunstschaffens jener Epoche überhaupt gelten. Wer die Kataloge der ersten akademischen Ausstellungen aufmerksam durchblättert, wird vielmehr herausfinden, dass schon damals in unsern Ausstellungen eigentlich jede Richtung, jeder Stoffkreis der Zeit vertreten war: Antike Mythe, Mittelalter, Neuzeit, ideale Poesie und derbe Prosa, Allegorien und Wirklichkeitskunst, Griechentum und Märkertum. Für alles warben die Künstler um die Gunst des Beschauers. Und ein Urteil, dass hier allein der Naturalismus mit der Wirklichkeits- und Nützlichkeitsforderung zuhause sei, das damals kein geringerer als Göthe in der
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