Heft 
(1902) 10
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7. (5. ausserordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.

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breiten Hof, der für die Auffahrt der kaiserlichen Wagen bestimmt ist. Dieser Hof ist von einem Glasdach überdeckt, das durch eine sinn­reiche, von einem einzigen Beamten zu handhabende Einrichtung in der Mitte teilbar ist, sodass stets genügend frische Luft zugelassen werden kann. In diesem Hofe versammelten sich die Mitglieder derBranden­burgs und betraten dann zunächst den linken Seitenflügel, der sich an der Spree entlang zieht. Hier liegen in zwei Stockwerken überein­ander die Stallungen für die kaiserlichen Reit- und Wagenpferde, zu ebener Erde die Stände für die Leibpferde des Kaisers und der Kaiserin und für die Reitpferde der kaiserlichen Prinzen, im oberen Stockwerk die Stände für die grosse Zahl der Kutschpferde. Im ganzen sind im Marstall Stallungen für 400 Pferde vorgesehen und ein Kranken­stall mit 24 Ständen. Der Pferdebestand wird aus den Staatsgestüten, die alljährlich 40 Remonten liefern müssen, ergänzt, der Mehrbedarf muss freihändig erworben werden. Das ist namentlich bei den Reit­pferden der Fall. Für den Bedarf des Kaisers werden die schnellen ungarischen Jucker angekauft, deren Bestand sich auf einige 20 beläuft. Von den 80 bis 90 Reitpferden sind etwa ein Dutzend für den persön­lichen Dienst des Kaisers bestimmt. Die Gestütspferde bringen ihren Namen mit, der stets denselben Anfangsbuchstaben wie der Name der Mutter hat. Name, Geburtsjahr und Eltern des Pferdes sind über jeder Box verzeichnet. Peinliche Sauberkeit herrscht in den hohen, gut gelüfteten Stallungen, die bis zur halben Höhe mit hellen Mettlacher Fliesen ausgelegt sind, und in den einzelnen Boxen, die aus dunkel­gebeiztem Holz mit Messingbeschlag hergestellt sind. Die Krippen be­stehen aus dunkelemailliertem Metall mit weissemaillierten Futter­behältern. Neben den Stallungen liegen die Geschirrkammern und die Reinigungsräume für das Geschirr, und auch hier herrscht die pein­lichste Sauberkeit. Die Stallungen sind untereinander und mit den Geschirrkammern und Wagenremisen durch Fahrstühle verbunden. Im Erdgeschoss befinden sich auch die Waschräume und die Apotheke.

Von den Stallungen aus begab man sich in die im oberen Stock­werk eines Zwischengebäudes liegende grosse Reitbahn, die mit Gallerieen und Wandspiegeln ausgestattet, einen prächtigen Eindruck macht. Diese Reitbahn, welche eine beträchtliche Höhe aufweist, ist für den allgemeinen Gebrauch und für Reiterfeste bestimmt, für den besonderen Gebrauch des Kaisers und der Kaiserin sind zwei Reit­bahnen in einem anderen Flügel eingerichtet, die durch eine Zwischen­wand getrennt sind. Diese Zwischenwand ist jedoch so konstruiert, dass sie jederzeit mit leichter Mühe entfernt werden kann.

Im oberen Stockwerk des nach dem Schlossplatz zu gelegenen Gebäudes sind in langgestreckten, hohen Sälen die Prunkwagen des kaiserlichen Hofes aufgestellt. Die Mittelhalle, die durch zwei Stock-