Heft 
(1902) 10
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Fischerei dev Provinz Brandenburg.

Wasserlauf innerhalb der Grossstadt erfolgenden Zufuhr von Schmutz und Sehmutzwasser in das Flusswasser und die Schiffahrtskanitle zu suchen sein. Während der jetzigen trockenen Jahreszeit haben sich grosse Mengen von Staub u. dergl. angesammelt, die der Platzregen ins Wasser spült, ebenso ergiessen die Notauslässe der Kanalisation gewaltige Wassermengen, welche vielerlei Unrat enthalten. Diese Massen kleben sich an die Kiemen der Fische, erschweren den Atmungsvorgang und bringen die zarteren Fisch­arten, insbesondere die jugendlichen Individuen, zu einem raschen Absterben.

Berl. Tagebl. 26. Juli 1893.

19. Der Fischbestand der Oberspree hat sich in diesem Jahre infolge der durch die Gewerbe - Ausstellung hervorgerufenen ganz bedeutenden Steigerung des Dampferverkehrs in bedenklichem Masse vermindert. Aller­dings ist zwischen Köpenick und Stralau der Fischreichtum schon längst von Jahr zu Jahr geringer geworden, weil der Dampferverkehr fortgesetzt überhaupt mehr und mehr zugenommen hat, und es hierdurch den Fischen auf jener Strecke vor allem ganz unmöglich geworden ist, zu laichen. Noch niemals aber ist die Fischerei und besonders der Aalfang, auf der Ober­spree, vornehmlich jedoch bei Stralau, so wenig ergiebig gewesen, wie in diesem Jahre. Die Aalkörbe werden von den Damplerwellen unausgesetzt hin- und hergeschaukelt, sodass die Tiere nicht hincingehen. Infolgedessen sind denn auch in diesem ganzen Sommer, trotzdem die Ilauptmonate Mai und Juni für die Fischerei sonst sehr günstig waren, bei Stralau kaum soviel Aale gefangen, wie im vergangenen Jahre in einer einzigen Nacht.

Post, fi. Aug. 1896.

20. Maränen.Sämtliche drei Seen (bei Lindow: der Wutz-, Vielitz- und Gudelak-See) sind reich an Fischen aller Art, der Vielitz-See zeichnet sich insbesondere durch den Fang des feinen Zanders aus; die beiden anderen enthielten noch zu Anfang dieses Jahrhunderts Muränen, welche inzwischen ausgestorben sind." Fromme: Aus der Vergangenheit von Stadt und Kloster Lindow. 1884. S. 26.

Hier ist, wie so häufig, die Muräne, ein Raubfisch des Mittelmeeres mit unserer, zu den Salmoniden gehörigen Maräne verwechselt. Vorgl. das von mir diesbezüglich Gesagte hei Besprechung des BuchsDer Werbcllin von Dr. H. Böttger in dem Bericht über die Brandenbnrgia-Sitzung vom 29. Nov. 1899 unter A. 14. Im vorliegenden Falle handelt es sieh um die sehr schmackhafte kleine Maräne (Coregonus albula L). Vergl. auch No. 13. E. Friedei.

21. Eine merkwürdige Fischliebhaberei Friedrich Nicolais wird in denJugenderinnerungen von Gustav Parthei (Berlin 1871) Bd. I, S. 46, berichtet.

Ein Lieblingsgericht des Grossvators (Friedrich Nicolais) war eine kleine grätenreiche Fischart von den Berliner Stäkerlingen. Diese mussten in jeder Woche wenigstens einmal Vorkommen.

Parthei möge mir verzeihen, wenn ich diese Angabe zoologisch wie kulinarisch anzweiiie. Der Stichling (Gasterosteus aculeatus L.)