Fischerei der Provinz Brandenburg.
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das tragen die grösseren Mengen Fische jetzt wieder ein. Soviel Mühe man sich niimlich seit der Krebspest auch mit Hebung der Krebszucht bisher gegeben hat, so ist es doch bisher noch nicht gelungen, den Spreewald mit diesen Krustentieren zu bevölkern.
26. Der Ukelei als Perlenlieferant. Dass der Ukelei oder Iklei auch
Perlen liefert, dürfte nur wenigen bekannt sein. Thatsäcblich verdankt die sogenannte Pariser Perle, die der echten beinahe täuschend gleich sieht, ihren leuchtenden Glanz dem unscheinbaren Bewohner unserer märkischen Gewässer. Um denselben herzustellen, bedient man sich der Schuppen. Die Ukelei-Schuppe besteht aus 30—40 pCt. einer im kalten Wasser unlöslichen stickstoffhaltigen Materie, ungefähr 45 pCt. phosphorsaurem und 3—10 pCt. kohlcnsaurem Kalk; diese Schuppenteile werden zur Leimfabrikation benutzt, die silberglänzende Substanz aber, mit der die Schuppen ausserdem überzogen sind, dient zur Bereitung künstlicher Perlen und wird pro Pfund mit 60—100 Mk. bezahlt. Um sie zu lösen, schüttelt man die Schuppen mit Wasser, worauf der Silberglanz zu Boden sinkt. Nachdem er mit Ätzammoniak und Hausenblasenlösung versetzt worden ist, kommen die aus Glas geblasenen Perlen hinein. Der Ammoniak verfliegt und der Silberglanz bleibt zurück, ln Stettin befinden sich seit Jahren zahlreiche Agenturen Pariser Häuser, die den Glanz aufkaufen. Um die nötigen Quantitäten zu gewinnen, veranstaltet man alljährlich in den märkischen, mecklenburgischen und pommerschen Gewässern ein förmliches Ukeleimorden, in den Eislumen werden die Fische zu Tausenden gefangen. Während man ihre Leiber den Schweinen als Futter vorwirft, kommen die Schuppen in den Handel. Um eine einzige falsche Perle herzustellen, müssen Unmengen von Fischen ihr Leben lassen. B. L.-A. 21. 2. 1899.
27. Fischergemeinde Sonnenburg, Kreis Ost-Sternberg. Als am Tage Johannis des Täufers, also am 24. Juni 1883, die Investitur des Prinzen Albrecht von Preussen als Herrenmeister des Johanniter-Ordens in dem sonst so stillen Landstädtchen Sonnenburg stattfand, zeichneten sich bei dem festlichen Empfange besonders die Fischer aus. Ebenso am Johannistage im Jahre 1884 bei der Anwesenheit desselben Herrenmeisters. Vor der Lenzebrücke, die nach dem Schlossplatz führt, hatte sich wie die N. A. Z. berichtet, die Fischergemeinde versammelt, deren Vorsteher Wilschere den Herrenmeister bewillkommnete. Das grosse Rundteil vor dem Schloss war mit Netzen und dem Fischergewerbe entsprechenden Insignien geschmückt. Die Fischer verdanken ihren Wohlstand zumeist dem Johanniter-Orden, der ihnen nach der Urbarmachung des früher wilden Warthebruches, als Entschädigung für die verminderte Fischerei, reiche Wiesen gegcbeiFhat, die jetzt einen weit lohnenderen Ertrag bringen, als dies je bei der Fischerei und dem Krebsfange der Fall gewesen ist, obgleich die Sonnenburger Krebse einst weit und breit berühmt waren und selbst auf der Speisekarte von Chevet im Palais Royal zu Paris als ecrevisses de Sonnenbourg figurierten. Unter einem Fuss Länge, erzählt die Überlieferung, durften in früheren Zeiten keine Krebse zur Herrenmeistertafel in Sonnenburg geliefert werden. Das waren also Krebse von der achtbaren Grösse einer Hummer.
E. Friedei.