Heft 
(1902) 10
Seite
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Fischerei der Provinz Brandenburg.

28. Maränen und Muränen. Bei Dr. med. Johan. Christoph. Wulff: Ichthyologia cum Amphibiis Regni Borussici. Methodo Linneana disposita, Regiomonti, 1765, heisst es ß. 48 flg.:

Muraenula. Cyprinus pinna ani XIII. et dorsalis IX. Marena. Muränichen, ab oppidulo Marchiae Moryn, ubi frequens ejus est captura. Murenen. Morenen. Piscis delicatus et carus. Muränen Borussis.

Es wird hier also der NameMuränen" sonderbarerweise von dem Städtchen Morin im Kreise Königsberg i. N. abgeleitet, woran umsoweniger gedacht werden kann, als er selbst hinzuftigt, dass die Bezeichnung Muränen" auch in Preussen (womit Ostpreussen gemeint ist) üblich sei, wo die Maräne garnieht selten vorkommt und das Städtchen Morin wohl kaum bekannt ist. Die lateinische Bezeichnung Muraenula ist ebenso falsch, da­gegen der Name Marena, also deutsch Maräne oder Marene vollkommen richtig. Die märkische und ostpreussische Maräne gehört zur Lachsfamilie, die Muräne ist ein mittelmeerischer Fisch, der zur Aalfamilie gehört. Vgl. Mitt. des Vereins f. d. Gesch. Berlins. I. 1884. S. 30 und No. 4 dieser Zusammenstellung.

29. Der Ursprung der Fischangel. Sonderbarerweise wurde im christlichen Mittelalter der Ursprung der Fischangel dem Tristram, jenem mit dem Sagenkreis des Artus und der Tafelrunde in Verbindung gebrachten Helden, eigentlich einem Heros der keltischen Mythologie, zugeschrieben, den um 1200 uns Gottfried v. Strasburg, neuerdings Richard Wagner in der Oper Tristan und Isolde im Lichte deutscher Romantik näher gebracht hat. Dr. Joh. Knieschek veröffentlicht in der Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Litteratur N. F., Bd. XVI 1884, S. 261 flg., eine deutsche Überzeugung der czechischen Bearbeitung des Tristram, in welcher es, nach­dem geschildert worden, wie der Held mit Isolden sich vor seinen Ver­folgern in eine Waldeseinüde geflüchtet und in einer Hütte mühselig sein Leben über zwei Jahre gefristet hat, wie folgt, heisst:

auf der Welt sie nichts anderes hatten

als eichein und waldkräuter;

da assen sie davon wenig.

das war ihre beste Speise,

ausser wenn Tristram mit seinem bogen

erschoss irgend ein vögelein,

sei es eine drossel oder eine holztaube.

auch darauf achtete er

zu schiessen rehe.

dann nahm die Frau eine heftnadel aus ihrem Schleier,

Tristram machte daraus ein häkchen in der weise

wie jetzt die angeln sind,

womit man fische fängt,

band es an ein holz

und fieng damit fische im flusse,

der floss vor ihnen.

da hatten sie fische genug mit anderem.