Die Prignitz.
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grossartigsten Moränengebilde der norddeutschen Tiefebene, die man mit dem Namen Endmoräne bezeichnet hat, am deutlichsten. Dieser breite Wall mit seiner abwechselungsr&chen Landschaft ist der Kern, an welchen sich die südlich davorgelagerte Landschaft anschliesst. Wenige Kilometer östlich von der Grenze der Prignitz haben wir den Rhin und die Havel, welche ihre Wasser aus den grossen mecklenburgischen Seen erhalten. Dosse, Stepenitz und Löcknitz entspringen in umfangreichen Wiesengründen und werden in ihrem Lauf allmählich immer kürzer uud unbedeutender. Demgegenüber liegt nun im Süden das breite Thal mit Havel uud Elbe; diese weite Rinne, welche die Abschmelzwässer des Inlandeises der Nordsee zuführte, als der baltische Höhenrücken noch mit dem Eise bedeckt war. Dosse, Stepenitz und Löcknitz sind die Hauptkanäle, durch welche die Prignitz allmählich entwässert wurde, und bei der geringen Neigung der Vorstufe hat sich zwischen ihnen noch ein sehr dichtes Netz von Nebenadern ausgebildet.
Geologischer Bau. Das Abschmelzwasser modellierte aber nicht nur die Landschaft, es schuf auch die Verteilung der Bodenarten, denn wo die Strömung eine grosse war, Hess es von der Grundmoräne, dem Oberen Geschiebelehm, nichts mehr übrig und legte den Unteren Sand bloss, ja an einigen günstigen Stellen wurde auch dieser noch weggewaschen, sodass der Untere Geschiebelehm zum Vorschein kam. Wenn diese Ausbildung der Landschaft sich ähnlich auch an allen Stellen der Mark vollzogen hat, so finden sich doch in der Prignitz auch einige besondere Züge. Nördlich von Perleberg beginnt ein Hügelzug*), welcher sich 20 km nach Osten verfolgen lässt und dessen hervorragendste Kuppen folgende sind: Weinberg 83 m, Weisser Berg 81 m und die Krons-Berge 125 m. Dieser Wall hebt sich um so deutlicher aus der Landschaft heraus, weil er an beiden Seiten fast auf seiner ganzen Ausdehnung von Wiesengründen begleitet wird. Das Material, aus welchem die Berge bestehen, ist scharfer Sand und Kies. Es ist also kein Zweifel, dass wir geologisch die Sandberge zum Unteren Sande werden rechnen müssen. Da der Untere Sand aber ein Produkt des abschmelzenden Eises ist und sich zum grössten Teil schon unter dem Eise selbst in den Höhlen und Kanälen, welche sich das Schmelzwasser bahnte, niedergeschlagen hat, so werden wir in diesem Rücken nur einen ganz besonders mächtigen Rückstand eines aussergewöhnlich umfangreichen subglazialen Stromes zu erblicken haben. Die schwedischen Geologen bezeichnen diese Bildungen als Asar. Dieser Sandwall ist der letzte Ausläufer der ausgedehnten Sandablagerungen, welche sich
*) F. Wahnschaf fe: Die Ursachen der Oberflächengestaltung des Norddeutschen Flachlandes. Stuttgart. 1901. S. 171.
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