Heft 
(1902) 10
Seite
156
Einzelbild herunterladen

156

Eduard Zache:

durch die Grafschaft Ruppin bis an die Grenze der Uckermark

erstrecken. «

Die Abhängigkeit der Prignitz von der mecklenburgischen Seen­platte wird am besten durch die Verteilung und die Richtung der Gewässer bewiesen. Es sind das Löcknitz, Stepenitz und Dosse, welche sich fast gleichmässig in den Raum teilen und parallel miteinander dem Urstromthale zufliessen. Auch in der Form ihrer Betten stimmen sie vollständig überein. Es sind breite und flache Wiesengründe mit ganz sanften Böschungen, in denen sicli die Wasseradern langsam dahinschlängeln. Neben den Betten dieser Bäche sind noch einige

Seen zu nennen, welche man auch als ehemalige Abflussrinnen der Schmelzwässer ansehen darf. Die längste Kette ist diejenige, welche oberhalb Wusterhausen unter spitzem Winkel sich mit der Dosse ver­einigt. Sie beginnt mit einigen kleinen runden Seen bei Herzsprung. Die Seen werden allmählich grösser und erreichen in den untersten beiden, dem Bantikower- und dem Klempow-See, die bedeutende Länge von 10 km und damit eine ausgesprochene Rinnenform. Die Ufer haben auf viele Strecken hin steile Böschungen und gradlinige Erstreckung. Eine zweite Rinne findet sich nördlich von Lenzen. In ihrem Bau weicht sie aber merklich von der ersten ab. Es ist eine breite und tiefe Einsenkung, welche wunderbarer Weise an ihrem oberen Ende breiter ist als an ihrem unteren. Sie ist an ihrem Anfang 1 km breit und hat hier einen cirkusartigen Abhang. Die Böschung bleibt an beiden Rändern steil. Auf ihrer Sohle beherbergt sie zwei Seen, oben den Rambower und unten den Rudower. Ausserdem liegt noch zwischen den Seen das Dorf Nausdorf. Es muss hier in der Abschmelz­periode das Wasser plötzlich in grosser Masse sturzartig wühlend und bohrend aufgetreten sein. Es ist wohl möglich, dass diese Rinne aus dem Abfluss eines grossen Gletschertopfes oder Strudelloches entstanden ist. Mit den aufgeführten Bächen und Seen ist aber das Rinnensystem noch nicht erschöpft: die zahlreichen Nebenrinnen werden wir bei der Besprechung der einzelnen Abschnitte zu erwähnen haben.

Die Landschaft zwischen Eide und Löcknitz. In diesem Abschnitt muss jene grosse Strudelrinne von Lenzen den Ausgangs­punkt der Betrachtung bilden. Da sie plötzlich mit ihrer ganzen Breite in der Landschaft anhebt, so ist auch der Boden in ihrer nörd­lichen Nachbarschaft unabhängig von ihr. Es findet sich hier in grösserer Erstreckung tragbarer Geschiebelehm vor. Der Mittelpunkt dieses fruchtbaren Striches ist das Bredowsche Gut Zapel mit einem Grundsteuerreinertrag von 45 Sgr. pro Morgen.*) Es fehlen die aus­gesprochenen Rinnenbildungen in der Landschaft gänzlich. Der Boden

*) Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuer-Veranlagung im Regierungs­bezirk Potsdam, Berlin 1867,