Heft 
(1902) 10
Seite
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Eduard Zache:

westlich neben Pntlitz. Das Quellgebiet dieser Bäche hat eine Meeres­höhe von 54 in und führt in einem Teil den Namen Iutlitzer Heide. Es ist ein sehr unfruchtbarer Landstrich: es treten Sanddünen auf und dazwischen sumpfige, saure Wiesen mit Abzugsgräben und Tümpeln. Auf dem Sande wachsen dürftige Kuseln und dünnes Rispengras oder Habichtskraut und an den feuchten Stellen die Büsche der Glockenheide neben denen der gemeinen Heide, beide in gleichgrossen Horsten. Am grossartigsten ist der Eindruck, wenn man von der Strasse Sagast-Putlitz nach Süden über die Heide blickt. Man hat dann den unbegrenzten ebenen Horizont vor sich, während sich im Mittelgründe und Vorder­gründe die Ebene mit ihren Wiesenstücken und Ackerstreifen, ihrem Buschwerk, Waldparzellen und Baumalleen ausbreitet. Nach Süden, in dem Winkel zwischen Schlatbach und Stepenitz, findet sich mit dem scharfen Sand auch der Kiefernforst wieder in grossem Umfange ein.

Die Landschaft zwischen der Stepenitz und der Dosse. Überschreiten wir die Stepenitz, so kommen wir in den geräumigsten Abschnitt der Prignitz. Es ist ganz natürlich, dass derselbe nicht mehr einen einheitlichen Charakter besitzen kann. Wir müssen daher mehrere Unterabteilungen machen. Immerhin bildet der gesamte nörd­liche Abschnitt, im Olterlauf der Dosse, einen einheitlichen Plan, während der südliche, die sogen. Havelberger Spitze, davon merklich unterschieden ist.

Im nördlichen Abschnitt findet sich nur ein bedeutender Neben­fluss der Stepenitz, es ist das die Dömnitz. Obgleich sie schon eine bedeutende Länge erreicht, so übt sie doch auf den Boden nur einen bescheidenen Einfluss aus. Auch dort, wo sie tief eingeschnitten ist, hat sie doch den Oberen Geschiebelelun nicht in umfangreicher Weise durchwaschen. Hier findet sich daher in der Prignitz der fruchtbare Boden in grösstem Umfange. Es ist schwerer Lehmboden, der bei längerer Dürre fest wie Stein wird und bei langer Regenzeit sehr unter der Nässe' leidet. Er ist deshalb für die Beackerung nicht immer günstig, liefert aber in passenden .laliren gute Erträge. Es ist die un­veränderte Grundmoräne, und ihr guter Erhaltungszustand ist das beste Zeichen dafür, dass die Schmelzwässer liier eine geringe erodierende Thätigkeit entfaltet haben. Im allgemeinen erreicht das Gelände hier eine Meereshölie von 90 m und steigt allmählich nach Norden hin an, so dass hier überall 100 m auftreten. Von allen Stellen, z. B. von dem Galgenberge bei Giesensdorf, hat man eine weite Fernsicht, die durch keinen Waldstreifen gehindert wird. Erst ganz fern am Horizonte erscheinen die blauen Berge der mecklenburgischen Grenze. Diese fruchtbare Fläche ist daher mit Dörfern, Vorwerken mul Gütern dicht besiedelt, und alle einheimischen Getreidearten und Hackfrüchte finden sich auf den Feldern. Der Grundsteuerreinertrag erreicht z. B. folgende