Kleine Mitteilungen.
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Kleine Mitteilungen.
Geologische Beobachtungen in der Umgegend von Frankfurt a. O. Herr Professor Dr. Keil hack veröffentlicht (Zeitschr. d. deutschen geolog. Gesellschaft Bd. 52, S. 100 der Verhandlungen) einige interessante Beobachtungen, welche wichtige Aufschlüsse geben über den geologischen Bau dieser Gegend. Zwischen dem Lebuser und dem Sternberger Plateau hat das Oderthal eine sehr merkwürdige Gestalt. Oberhalb der Stadt Frankfurt ist es nur l'/ a bis 2 km breit, während es sich unterhalb der Stadt ganz plötzlich bis zu einer Breite von 7 km und darüber ausdehnt. Es ist dieser Abschnitt das Nordsüd gerichtete Thalstück, welches das Thorn-Eberswalder Hauptthal mit dem Warschau-Berliner Thal verbindet. In diesem Verbindungsstück zwischen den beiden grossen Urstromthälern erblickt Herr Keilhack eine subglaziale Rinne, in welcher die Schmelzwässer — also unter dem Inlandeise — nach Süden flössen. Es geschah dies in der Zeit als das Inlandeis sich noch bis in die Höhe von Frankfurt a. 0. ausbreitete, und die gesamten Schmelzwässer sich vor dem Eisrande aufstauten, bezw. in dem Thale der heutigeh Spree, nach W. abflossen. Es lag der Wasserspiegel dieses Stromes zeitweilig in mehr als 50 m Meereshöhe. Für diese Annahme sprechen die Kies- und Sandterrassen, welche sich im südlichen Teil des Landes Sternberg weithin verfolgen lassen. Herr Keilhack unterscheidet 3 Terrassen, von denen die erste zwischen 50 und 60 m Höhe, die zweite zwischen 40 und 45 und die dritte zwischen 30 und 35 liegt. Das Wasser des grossen Schmelzstromes sank allmählich je mehr das Eis zurückging, und sich neue Pässe für das Schmelzwasser bildeten. Der erste derselben war der über das Rote Luch und der zweite das Thorn-Eberswalder Thal. Die höchste Terrasse ist die Königlich Reppener Forst, die nächstniedrige ist das Eilangthal, das von Reppen herunterkommt, und die niedrigste Stufe endlich beherbergt das Pleiskethal. Von dem Dorfe Aurith hat man die einzige Gelegenheit alle drei Terrassen übersehen zu können. Während sich im Osten der Oder, im Lande Sternberg, grosse Sandflächen mit Kiefernheiden ausbreiten, bietet im Westen der Lebuser Abschnitt ein ganz anderes Bild.
Hier fällt zunächst das hohe Steilufer auf, das sich von Brieskow über Frankfurt und Lebus bis Reitwein verfolgen lässt. Schöne Überblicke Uber diesen Steilhang gewährt eine Fahrt mit der Eisenbahn Frankfurt- Guben. Im Innern findet man weithin fruchtbare Ackerflächen, denn hier herrscht nicht der Sand, das Auswaschungsprodukt der Schmelzwässer, sondern die ungestörte Moräne. Die Zusammensetzung und Lagerung des Diluviums beschreibt Keilhack von dem Steilhang bei Lebus; hier finden sich beide Geschiebelehme mit ihren liegenden Sanden. Etwas gestört wird gelegentlich das Bild dadurch, dass bedeutende Partieen fast senkrecht ab-