Heft 
(1902) 10
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B. Seiffert:

bey euch behalten, um in vorkommenden Fällen davon Gebrauch zu machen.

Erst am 25. August 1758 schickte Nietlie diese Vorschrift an den Magistrat, damit er sichbei etwa geschehen sollenden Anforderungen der Russen und andern Feinde danach richte, welche nunmehr wirk­lich den märkischen Roden betreten hatten.

Die Östreicher hatten schon im vorigen Jalme einen Streifzug in die Mark unternommen; während Friedrich in Thüringen gegen die französische Hauptarmee manövrierte, war General Haddik mit einigen Tausend Croaten u. a. bis an die Thore Berlins vorgedrungeu und hatte die Hauptstadt, welche von nur 2 schwachen Bataillonen Landmiliz bewacht wurde, ohne grossen Widerstand am lb. Oktober 1757 besetzt, eine Kontribution von 185(MH) Tlialer erhoben und am andern Morgen bei der Nachricht, dass Fürst Moritz von Dessau im Anmarsch sei, schleunigst seinen Rückzug über Storkow -Beeskow angetreten 1 ). Ein ähnlicher Einfall scheint auch für 1758 geplant gewesen zu sein, als der König in Mähren die Stadt Olnuitz belagerte (20. Mai 2. Juli); darauf deutet wenigstens folgender Brief des Magistrats von Freien­walde a. O. vom 21. Juni 1757:

Es haben des Geheimen Etats, Kriegs und Dirig. Ministre Herrn Grafen v. Götter Excellenz uns heut bekannt machen lassen, dass sie die sichere Nachricht erhalten, dass sich bereits in dem Storkowischen Kreyse hinwiederum eine streifende Bartei östreichischer Croaten sehen lassen, welche vermuthlich ihren Weg gerade nach Berlin zu nehmen intendiren möchten. Wann nun also zu befürchten stünde, dass diese ihren Weg auch tiefer in das Land nehmen und wenn sie über die Spree kommen könnten, auch die hiesige Gegend incoinmodiren und bis hieher ravagiren würden, so haben S. Exc. befohlen, Ew\ Hochedel­geboren und Hochedlen davon schleunige Nachricht zu geben mit der Auflage, dass dieselben durch Expresse die Magisträte zu Fürstenwalde und Cöpenick requiriren möchten, im Falle diese streifende Partey etwa dasiges Ortes den Uebergang über die Spree tentiren sollte, selbige die Nachricht davon durch Estafettes an die Städte hiesiger Gegend geben, insonderheit aber der Stadt Strausberg und Wriezeu als aufs schleunigste bekannt machen möchten; diese aber auch durch Estafettes uns solches hieher berichten möchten, damit die sich allhier aufhaltende hohe Herrschaften ! ) in Zeiten retiriren und die Magisträte jedes Ortes auch

') Mebes, I 197 f.

2 ) In Freienwalde war seit 1687 ein kurfürstliches Schloss, das später Amts-, Schul- und Rathaus wurde. 1800 entstand auf dem Wege nach dem Brunnen das Königliche Schloss, der Witwensitz der Gemahlin Friedrich Wilhelms II. (Fontane, Wanderungen durch die Mark: Oderland, Barnim, Lebus.)