Heft 
(1902) 10
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11. (3. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.

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dienstes, von den Dänen erobert. Infolge davon trat Jaromar I., Fürst von Rügen, zu dem Christentum über, die Insel Rügen aber ward in kirchlicher Beziehung dem inseldänischen Bistum Roeskilde, in welchem damals die mächtige Gestalt des weltklugen Bischofs Absalom waltete, zugeteilt. 1172 }vard von dem Kloster Esrom auf Seeland das damals zu Pommern gehörige Cisterzienserkloster Dargun, jetzt in Mecklen­burg-Schwerin, gegründet. Als jedoch bereits 1198 dieses in einem Kriege verwüstet ward, begaben sich auf Wunsch des rügischen Fürsten Jaromar und seiner Gattin Hildegard, einer Tochter Königs Kanut YI. von Dänemark, die Mönche in das Land Wusterhusen und begründeten liier mit Hilfe der Fürsten 1199 das Kloster Eldena, das zur Linie Clairvaux zählte, als Tochterkloster von Dargun und Esrom. Ent­sprechend den Grundsätzen ihres Ordens trugen die Mönche in das heidnische Land christliche Sitte und Lebensgewohnheit, rodeten mit geschickter Hand Wälder aus, entwässerten Sümpfe und schufen, wie Professor Dr. R. Schmitt-Greifswald in dem vortrefflichenFührer durch Greifswald und Umgegend ausführt, der vom Niederrhein herzu­strömenden deutschen Einwanderung willkommene Gelegenheit zu Niederlassungen. So erhielt 1241 das Kloster Eldena das Recht in der Nähe der Salzquellen etwa eine halbe Stunde entfernt von der Aus­mündung des Ryck in die das dänische Wieck genannte Ausbuchtung der Ostsee einen Markt begründen zu dürfen, aus dem sich mit grosser Schnelligkeit die Stadt Greifswald entwickelte. Wer sich hierfür spezieller interessiert, den verweise ich auf Professor Dr. Theodor Pyls grundlegende und bahnbrechende auf genaustem archivalischem Studium beruhende Arbeiten über Eldena und Greifswald, welche die Rügisch - Pommersche Abteilung der Gesellschaft für Pommersche Geschichte in mehreren Bänden vor einigen Jahren herausgegeben hat. Vergönnt sei mir aber noch auf den gleichzeitlichen kulturgeschicht­lichen Parallelismus zwischen Pommern und Brandenburg hinzuweisen, wie er sich insbesondere durch die Thätigkeit der Mönchsorden aus­spricht. Wenn man für Pommern und, wie ich annehme, auch für einige Teile Brandenburgs, beispielsweise für die Klosteranlagen bei Oderberg i. M. und auf der Marieninsel im Parsteiner See, in archi­tektonischer Beziehung bezüglich des Backsteinbaus wird an eine skandinavische Beeinflussung im christianierten Wendlande denken müssen, so entsteht gleich wieder die zweite Frage, sind diese dänischen Architekten durch die Niederlande beeinflusst worden oder durch Italien? Erwägt man aber weiter, dass die Skandinaven auf ihren Wikingerzügen schon frühzeitig mit der italienischen Baukunst, speziell auch mit dem italienischen Ziegel- oder Backsteinbau zweifellos bekannt geworden sind, wenn sie sich nicht geradezu die Augen verbunden haben, so erhalten auf diese Weise die Stiehlsche- Hypothesen von der