13. (4. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.
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Gift-Sumach (Rhus toxicodendron L.) ausgegraben und sich durch Berührung der Blätter und Wurzeln des hier auf der Erde rankenden Strauchs vergiftet, der an das Fünfblatt, gewöhnlich wilder Wein genannt, Ampelopsis quinque folia, in seiner äusseren Erscheinung flüchtig erinnert. In humorvoller Selbstanklage fügt er hinzu, er habe auf seiner Insel Scharfenberg vor etwa 20 Jahren einen jetzt hochstämmigen Sumach gepflanzt und dabei ebenfalls eine heftige Hautentzündung bekommen, sei aber, trotz seiner Jahre, durch Schaden nicht klug geworden. Dieser baumartige Strauch, von dem Carl Bolle in seiner pathetischen Weise ausruft, dass Sylvan und Flora ihn in einer Stunde finsteren Menschenhasses erzeugt hätten, Rhus toxicodendron zur Familie der Anacardiaceae (Therebinthaceae) (Ascherson, Flora des Norddeutschen Flachlandes, Berlin 1808—00, S. 477) gehörig, ist zwar nicht so furchtbar giftig, wie sein Verwandter Rhus venenata, in dessen blosser Nähe, ohne unmittelbare Berührung der Pflanze, empfindliche Naturen schon Vergiftungserscheinungen bekommen, aber doch verhängnisvoll genug, wie ich an Freund Bolle sah, dessen Kopf kürbisartig angeschwollen und wie der llals und die Hände mit blatternartigen Pusteln bedeckt und stark gerötet war.
Späterer Zusatz: Diese Erscheinungen haben 3 Wochen, allmählich abschwächend, gedauert.
Erkrankungen durch Giftsumach sind bei uns, da der Baum mit Fug gemieden wird, natürlich selten. Mir ist aus Berlin nur noch ein Fall bekannt geworden, über den Dr. Robert Immerwahr, Specialarzt für Hautkrankheiten, im Dermatologischen Centralblatt i, J. 1900 berichtet hat. Bei einem am alten botanischen Garten beschäftigten Gärtner hatten sich in Folge unvorsichtigen Hantierens mit Rhus toxicodendron ähnliche starke entzündliche Schwellungen der Haut, des Gesichts und der Vorderarme mit Blasen- und Pustelbildung herans- gestellt, welche sich in etwa 14 Tagen von selbst zurückbildeten. Irgend ein Heilmittel hat Di'. Bolle nicht angewendet. Im Anton Kerner’s von Marilaun Pflanzenleben. 2. Aufl. I. 1896 finden Sie den Giftsumach auf der farbigen Tafel zu Seite 474 dargestellt unter dem Titel „Herbstliche Färbung am Erie-See in Nordamerika“. Der Baumunhold steht dort in Gesellschaft des Essigbaums (Rhus typhina) des Fünfblatts (Ampelopsis quinquefolia), des Tulpen bäums (Lirio- dendrom tulipifera), der kanadischen Tanne (Tsuga canadensis), der Weymouthskiefer (Pinus strobus) und des Lebensbaumes (Thuja occidentalis).
Allerhand unheimliche Geschichten vom Giftsumach sind auch sonst ans unserer Gegend bekannt. So soll ein Landpastor eine Laube im Garten gehabt haben, die angeblich mit „wildem Wein“ berankt war. Die dort Kaffee trinkenden Personen wurden mitunter von Unwohl-
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