13. (-1. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjabres.
808
sein, Entzündungen der Augen und Hände befallen. Erst nach .Jahr und Tag kam man dahinter, dass das Rankengewächs der Laube Gift- sumach war und das Unheil anrichtete.
3. Der Juliusturm in der Citadelle zu Spandau, den wir am Sonnabend den 7. September d. J. besichtigten, hat ein solches Interesse bei unseren Mitgliedern erregt, dass dieselben gern noch einen Bericht vernehmen werden, der von parlamentarischer Seite im Greifs- walder Tageblatt vom 18. Oktober d. J. veröffentlicht wurde. Es heisst darin wie folgt:
„ln diesem Turm ruht der deutsche Kriegsschatz. Zu ebener Erde stehen 15 Stapel mit je 30 Ilolzkisten, zusammen 450 Kisten. Eine hölzerne Wendeltreppe führt zum Obergeschoss, wo 22 Stapel zu je 30, <i Stapel zu je 15 Kisten aufgestapelt sind. Das sind insgesamt 1200 Kisten. In jeder derselben liegen, auf 10 Leinwandbeutel verteilt, 100 000 Mk. in 10- oder 20-Mark-Stücken. Die Kisten haben das Gewicht von je etwa 87 Pfund. 1200 Kisten ä 100 000 Mk. machen jene 120 Millionen aus, welche, der französischen Kriegsentschädigung entnommen, durch Reichsgesetz vom 11. November 1871 für den Kriegsfall bereit liegen.
Nach diesem Schatz ist wohl schon mancher Seufzer geschickt worden. Wenn man davon eine Kiste oder auch nur einen Beutel hätte, so mögen viele sehnsuchtsvoll geträumt haben. Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles. In grauer Vorzeit, da noch der Volksgeist seine Sagen dichtete, war es ein Berg, in dessen Schoss das rote Gold ruhen sollte. Eine Wunderblume kündete die Stelle, an welcher man zu den Herrlichkeiten Einlass fand. Alle Jahre, oder auch nur alle Jahrhunderte einmal that der Berg sich auf und einem Gottbegnadeten war es vergönnt, den Schatz zu schauen. Die Gegenwart ist minder poetisch. Ein Kurator und ein Rendant erscheinen alljährlich im Herbste, von einem Mitgliede der Reichsschuldenkoiniuission begleitet, und statt der Wunderblume führen sie sechs Schlüssel, welche die drei Kisenthiiren öffnen. Früher waren es nur zwei Thüren. Damit aber während der Revision Licht und Luft hineindringen und der Turm gleichwohl verschlossen bleiben könnte, hat man nachträglich eine aus Eisenstäben bestehende Mittelthür angelegt. Die Schlösser sind mit Filzpfropfen versehen, damit sie nicht rosten. Sobald sich die erste Thür in ihren Angeln dreht, gewahrt man in einer Spalte ein ganzes Heer von Marienwürmchen, die hier nun schon seit Jahren ihre Zuduchtstätte linden. Den revidierenden Herren pflegen zwei Arbeiter und ein Wachtmeister zu folgen, um die bei der Revision sich ergebenden mechanischen Arbeiten zu verrichten. Seit einiger Zeit entsendet ausserdem die Kommandantur einen Offizier mit dem Auftrag, der Inventur beizuwohnen.
Nachdem die einzelnen Kisten gezählt sind, werden Stichproben genommen. Willkürlich greift man die Behälter heraus und lässt sie wiegen. Das Istgewicht muss bis auf kleine durch die verschiedenen Feuchtigkeitsgrade bedingte Differenzen mit dem Sollgewicht stimmen, welches auf der Kiste und im Verzeichnis vermerkt ist. Zumeist wählt man solche Kisten, welche laut früherer Protokolle bei der Revision bisher noch nicht gewogen