Heinrichs v. Kleist Michael Kohlhaas.
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Namen führt, einen Meierhof besass, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte“, und wenn er gegen den Schluss hin den brundenburgischen Erzkanzler, Herrn Heinrich von Geusau, ausdrücklich erklären lässt, dass Kohlhaasenbrück nach dem Rosshändler heisse (Kleists Werke, hersg. von Theophil Zolling 4, 131, 7).
Allein diese Ansicht hält vor der Wahrheit der Geschichte nicht Stand. Niemals hat der berüchtigte Kohlhase in dem Dörfchen, das nach ihm benannt sein soll, gewohnt. Der Name des Ortes hat auch sonst im Sinne historischer Wirklichkeit zu ihm und dem seiuigen in keiner innigeren Beziehung gestanden, als dass er möglicherweise auf den eines seiner Vorfahren zurückzuführen ist. Denn der Name Kohlhase ist freilich echt märkisch. Zweimal begegnet er in Prenzlauer Urkunden des 14. Jahrhunderts v. J. 1343 und 1354 (Riedel, Codex diplom. Brandenburg. XXI. 157 und 171), und in einer Müncheberger v. J. 1541 (ibid. XX. S. 173) finden wir ihn wieder. Das heutige Berliner Adressbuch weist ihn fünfzehn Mal auf. Ich sage: im Sinne historischer Wirklichkeit. Denn die Überlieferung schafft sehr früh einen inneren Zusammenhang zwischen dem Namen des Ortes und demjenigen des Mordbrenners. Gleich der erste Bericht, der uns über Kohlhases Schicksal nähere Nachricht giebt und noch im 16. Jahrhundert niedergeschrieben ist — ich komme auf ihn zurück — dieser Bericht weiss zu erzählen, dass „Kohlhase . . . dem Conrad Dratzieher, des Churfürsten zu Brandenburg Factor, der ihm das Silber einkaufete im Mansfeldischen und Stoibergischen Bergwerke . . eine Anzahl Silberkuchen wegnahm, welche er eine halbe Meile diesseits dem Städtlein Potsdam unter einer Brücken, die noch heutiges Tages Kohlhasen- Brücke heisst, in das Wasser versenkt“ . . . Aber diese Erzählung trägt den Charakter des Legendarischen allzu deutlich an der Stirne geschrieben. Deutlich scheint die Beziehuug des Namens der Brücke, der gewiss schon bestand, als Kohlhase eine allgemein bekannte Persönlichkeit wurde, auf ihn ex post hineingetragen und lediglich ans dem Zusammenklang geschöpft. Der Name begegnet auch sonst als Ortsbezeichnung, w r enn auch nicht gerade für eine Brücke, und zwar heisst iin Kreise Mayen am Rhein eine Ortschaft „Kohlhaasen- mühle“. Wie alt freilich die Niederlassung in Kohlhaasenbrück und ihr Name ist, konnte ich leider nicht feststellen. Nach Berghaus (Landbuch der Mark Brandenburg I, 488), der noch ganz der alten Tradition folgt und Kohlhase eine Schankwirtschaft im Dörfchen betreiben lässt, zeigt ein dort gefundener Grundstein die Jahreszahl 1553, die auch über der Hausthür des Gebäudes angebracht war. Ob es aber nicht schon früher existiert hat? In Urkunden kommt der Name, wenigstens in der Riedelschen Sammlung, nicht vor, und die sonstigen Werke, die man darüber befragen könnte, wie Fidicins Territorien, wissen nichts von