Heft 
(1902) 10
Seite
330
Einzelbild herunterladen

m

Heinrichs v. Kleist Michael Kohlhaas.

Unordnungen wie den geschehenen Einhalt zu tlmn, entschlossen, in Dresden seine Klage vor Gericht zu bringen.

Monate vergehn, ohne dass er auch nur eine Erklärung über sie, geschweige denn die Resolution selbst erhält. Endlich erfährt er, nachdem er mehrereinal von neuem beim Tribunal eingekommen ist, von seinem Advokaten, dass die Klage bei dein Dresdener Gerichts­höfe auf eine höhere lusinuation gänzlich niedergeschlagen worden sei und zwar habe dies seinen Grund darin, dass der Junker Wenzel von Tronka mit zwei Junkern, Hinz und Kunz von Tronka, verwandt sei, deren einer bei der Person des Regenten Mundschenk, der andere gar Kämmerer sei.

Kohlhaas befindet sich gerade in der Stadt Brandenburg, als er diese Nachricht empfängt. Er erzählt dem Stadthauptmann, mit dem er bekannt ist, von der Angelegenheit und dieser rät ihm, eine Supplik mit einer kurzen Darstellung des Vorfalls an den Kurfürsten von Brandenburg aufzusetzen und wegen der Gewaltthätigkeit, die man sich auf sächsischem Gebiet gegen ihn erlaubt habe, den landesherrlichen Schutz anzurufen. Kohlhaas befolgt den Rat. Der Stadthauptmann weiss den Brief in die Hände des Kurfürsten zu bringen, allein auch jetzt wird dem Rosshändler die erwartete Genugthuung nicht zuteil. Der Stadthauptmann schreibt ihm, dass er, wie leid es ihm auch sei, in seiner Sache nichts tliun könne. Er rate ihm, die Pferde, die er in der Tronkenburg zurückgelassen habe, wieder abfiihren und im übrigen die Sache ruhen zu lassen. Gleichzeitig schickt er ihm die Resolution der Staatskanzlei, in der Kohlhaas nach dem Bericht des Tribunals in Dresden für einen unnützen Querulanten erklärt und ihm bedeutet wird, dass er sich die Rappen, die ihm der Junker auf keine Weise zurückhalte, von der Burg holen oder wenigstens ihn wissen lassen möge, wohin er sie ihm senden solle. Unter der Hand wird dem Rosskunim auch der Grund dieser Entscheidung bekannt: der Staatskanzler seines Landes ist mit dem Hause derer von Tronka verschwägert.

Kohlhaas schäumt vqv Wut, als er dies erfährt. Entschlossen, in einem Lande, in dem man ihn in seinen Rechten nicht schützen wolle, nicht zu bleiben, ruft er einen benachbarten Amtmann zu sich, um ilnn seine Besitzungen von Kohlhaasenbrück und Dresden zu verkaufen. Kr ist von derUeberzeugung durchdrungen, dass es Zwecke geben könne, im Vergleich mit welchen seinem Hauswesen als ein ordent­licher Vater vorzustehn, untergeordnet und nichtswürdig sei. Seine Frau Lisbeth, die Zeugin der Unterhandlungen ist, beschwört ihn auf Knien, nichts zu übereilen und die Sache mittels einer Bittschrift beim Landesherrn selbst noch einmal anhängig zu machen. Kohlhaas folgt ihr und überlässt ihr auf ihre Bitte, selbst das Schriftstück zu überreichen. Sie ersucht ihn darum, weil sie, wie sie ihm verschämt