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14. (5. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.
Variationen in Form und Ornamentierung aufweisen, blossgelegt: kleine Fiissclien, weinglasförmige GefKsse, urnenartige Schalen auf hohem, cylindrischem Fusse, der oval durchbrochen und mit regelmässig umzogenen Strichen und Punkten versehen ist. Die Urnen selbst liegen hier gewöhnlich in Steinlagern resp. Steinkisten und sind teilweise von sehr grosser Dimension.
Wollte man auf Grund dieser Ausgrabungen der Bronzezeit nun annehmen, dass diese Fundstätten erst zur Zeit dieses Metalles bevölkert wurden, so würde man indess irren. Schon in grauer Urfrühe muss diese Gegend besiedelt gewesen sein, und ein Volk hat das andere abgelöst. So fand Prediger Hobus auch auf dem unweit Dechsel bei Altensorge gelegenen Massower Umenfriedhofe die gröberen, einfachen Urnen bei Seite gesetzt, umgewandt oder zerbrochen und darauf oder dazwischen diejenigen von feinerer Masse und gefälliger Form aus der jüngeren Vorzeit beigesetzt. Unter den letzteren zeichnet sich besonders ein schwarzes Gefäss mit Linien- und Punktverzierung, 2 kleinen Traghenkeln und engem, hohem Halse aus. An dieser Stätte konnte man übrigens auf Grund der ausgegrabenen Beigaben den Übergang von der Bronze- auf die Eisenzeit fest- stellcn.
Die obige Behauptung, dass die Dechseler Gegend schon zur frühesten Urzeit bevölkert gewesen sei, wird durch die zahlreichen Funde von geschliffenen und ungeschliffenen Steingeräten mit und ohne Bohrloch und deren Kesten in und um Dechsel gestützt. In unmittelbarer Nähe des Depotfundortes, etwas höher liegt ein Urnenfriedhof aus der Steinzeit. Die einzelnen, meist sehr grossen Urnen stehen ebenfalls in Steinlagern und weisen die mannigfachsten linearen Ornamente auf. Feuersteinmesser und deren Splitter bedecken mit Urnenscherben im weiten Umkreise den Boden. Von ganz besonderem Interesse ist ein Steinhammer, der hier gefunden wurde, dadurch, dass die Spuren einer Reparatur, die mit ihm vorgenommen wurde, an ihm ersichtlich sind. Einst mag beim Gebrauch der obere Teil dieses Steinwerkzeuges zur Hälfte des Bohrloches abgebrochen sein. Die Bruchstellen wurden darauf wieder geschliffen, und unterhalb des ersten Bohrloches wurde sodann ein neues, etwas engeres Loch gebohrt. Auch an vielen anderen Stellen des Dorfes, sogar im Pfarrgarten und dem anstossenden Gelände, wurden Steingeräte gehoben, und beim Graben und Pflügen finden die Besitzer auf ihren „Achterhöfen“ noch gegenwärtig nicht selten diese Zeugen einer alten Kultur aus grauer Vorzeit. Sie sind aus verschiedenem Gestein gefertigt; ein hammerähnliches Werkzeug ohne Spitze ist aus gelblichem Quarze hergestellt und gleicht einem Stücke Seife.
Die Zeugen menschlicher Thätigkeit durch alle Phasen der Ur- und Vorgeschichte hindurch zeigen sich ferner auf allen etwas erhöhten Landstrichen des Dechseler Geländes. Aus den verschiedenartigen Beigaben, der besonderen Form und Masse der Urnen und der jeder Zeit eigentümlichen Ornamentierung dürfte man die Prämissen zu diesem Schlüsse einer Besiedelung hiesiger Gegend von der ersten Vorzeit anziehen und auf nach benannte Landstriche erweitern können. Alle etwas erhöhten Punkte der Gegend, Inseln des Diluvialweichselbettes, wie verschieden benannte