Kleine Mitteilungen.
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Kleine Mitteilungen.
Wie sahen die Husiten aus.*) Die Erinnerung an die IIusiten-Einfiille in die Mark ist noch immer, wofür u. A. das alljährlich zu Bernau gefeierte „llussiten-Fest“ und die „Hussiten-Strasse“ in Berlin sorgt, im märkischen Volk vollkommen lebendig. Von weiterem Interesse wird es daher sein, zu erfahren, wie nach zeitgenössischer Darstellung die gefürchteten Glaubensstreiter aussahen in der Zeit, als Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg im Bunde mit den Fürstbischöfen von Bamberg und Wiirzburg im 15. Jahrhundert wider sie kämpfte. Hierzu dient ein merkwürdiges Wandgemälde a u f K a 1 k, entdeckt um 1844 und wieder aufgefrischt von dem bekannten Nürnberger Architekten Carl Heideloff in dem durch ihn wiederhergestellten Pfarrhof St. Lorenz im ehemaligen Winter-Refektorium zu Nürnberg. Dieses Bild wurde laut Anordnung des berühmten Plebanus und Rektor zu St. Lorenz Konrad Kiilmhofer, wahrscheinlich auf Veranlassung seines Frenndes, des Bischofs von Bamberg Friedrich von Aufsees, hergestellt, dessen Wappen nebst zweien seiner Vorgänger, Lambert von Brunn und Graf Albert von Wertheim dabei angebracht sind. Der Inhalt oder die Bedeutung dieses Bildes ist fast rätselhaft; eine Schlacht zwischen Menschen und phantastischen hier und da Teufeln ähnlichen Wesen, soll wahrscheinlich eine Anspielung auf die damaligen verderblichen Kriege der Husiten sein, die hier als Würgeengel oder Teufel dargestellt sind. Die fechtenden Figuren des Vordergrundes sind durch eine Galerie von Arabesken von der Hauptschlacht gesondert. Das IviiegsglUck war den Husiten lange hold, daher hielten viele, besonders die Ungarn, Ziska für keinen Menschen, sondern für den leibhaftigen Teufel, dieser gäbe ihm die klugen Einfälle ein, denn es sei unmöglich, ihm, dem Ziska, beizukommen. Die schlimmste Schlacht der Husiten war die bei Aussig im Jahre 1426, in der die Deutschen eine schreckliche Niederlage erlitten, da die wilden Böhmen kein Leben schonten; vierundzwanzig Grafen und Bannerherren von den edelsten Geschlechtern lagen bei dem Dorfe Ilrbowic unter der deutschen Fahne auf den Knien, sich auf Gnade und Ungnade ergebend, die Schwerter vor sich in die Erde gesteckt, aber die Wütenden schonten sie nicht, vielmehr wurden sie auf der Stelle niedergehauen, und viele tausend Deutsche fanden da ihr Grab.
Es ist äusserst interessant, auf diesem alten Gemälde das getreue Kostüm der Husiten zu ersehen, desgleichen ihre Waffen, namentlich die grosse husitische Bratsche, ein zugespitzter Schild, unten mit spitzem Eisen beschlagen, um ihn in die Erde zu stossen. Hinter diesem Schutz wurden die Spiess- oder Wurfwaffen gebraucht, besonders der Wurfspeer (ostip) und ein Wurfspiess foscepv oder oscp), sowie auch die Armbrust (kuse) und die Partisane (sudlice). Weiter bemerkt man auf diesem Bilde den Palcus
*) Ueber die Schreibweise „Husiten“ statt des früher üblichen „Hussiten“ vgl. Brandenburgs I, 88; III, 84. Feiner vergl. S. 248 des lauf. Jahrgangs.