Kleine Mitteilungen.
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tötreit- oder Fausthammer, sogar die den Husiten eigentümliche Waffe den Kriegsflegel, welcher zum Kampfszweck mit vielen eisernen Stacheln beschlagen war. Hervorgehoben ist das böhmische Hemd (tunica) und der Kriegsmantel (placha, lat. sagum). Sehr eigentümlich sind auch die Kopfbedeckungen, Fussbekleidungen und verschiedene andere Gegenstände. Im Jahre 1434 begleitete der genannte Kühnhofer den Kaiser Siegismund nach Eger, und da der Husiten Macht damals bereits gebrochen war, so liess K. dies Gemälde zum Gedächtnis seines Freundes Aufsees ausführen.
Das ganze Bild hat eine grüne Lokalfarbe mit schwarzen Konturen und weissen Lichtern, die Gesichter sind fleischfarben, auch ist eine rote Farbe an Stiefeln, Mützen und an den Arabesken.
Drei Wappen links (heraldisch gesprochen) in der oberen Ecke sind sorgfältigst ausgeführt. Links zunächst das Wappen des Fürstbischofs Lambert von Brunn f 1376. Rechts das Wappen des Fürstbischofs Friedrich von Aufsees f 1440. In der Mitte ein Wappen, welches insbesonders wegen seiner Beziehungen zu Hohenzollern und Brandenburg (schwarz-weisses Würfelfeld, Jagdhundskopf als Helmzier) am meisten interessiert. Es ist das Wappen des Fürstbischofs Grafen Albert von Wertheim, Herrn zu Breuberg.
Der eingangs gedachte Baukünstler und Kunstschriftsteller Carl Heideloff, dessen vortrefflichem Prachtwerk „Die Ornamente des Mittelalters“, III. Band, Heft XIII, Platte 2, Seite 3, die vorstehenden Angaben hauptsächlich entlehnt sind, fügt hinzu: Wahrscheinlich sind die Wappen seiner Grossmutter, der Burggräfin Katharina von Nürnberg, Gräfin von Zollern, zum Andenken dem seinigen beigefügt. Alberts Mutter war die Herzogin Judith von Teck. Albert regierte von 1399 bis 1421.
Zur Charakterisierung der in unseren Marken einst so gefürchteten Husiten trage ich nach Besichtigung des Bildes noch folgendes nach:
Die Husiten tragen grosse Bärte, mitunter lange nach unten hängende Schnurrbärte. In der Mitte ist der Einzelkampf zwischen einem barhäuptigen deutschen Ritter, der einen kurzen, kreisrunden Schild mit spitzem Buckel und ein langes gerades Schwert führt, und einem Husiten dargestellt, der einen ovalen, unten mit Eisenstachel versehenen Schild hält und einen Speer mit langem schmalen Eisen schleudert. Der Husit hat unmässig lange, fest gegürtete gestreifte Schnabelschuhe und eine mit Pelz verbrämte Pudelmütze, an der linken Seite eine grosse Gürteltasche. Der deutsche Ritter hat weniger lange Schlappstiefel an. Einige Husiten tragen Säbel auf dem Rücken, welche an die böhmische Nationalwaffe, den Dussak, erinnern, der S-förmig ist, Griff, Klinge und Parierstange aus einem Stück. Die Vorderseite der Schilde ist mit bärtigen Köpfen bemalt. Als Musikinstrument führen die Husiten eine Schlangentuba und gerade, lange Hirtenhörner mit Fähnchen. Ein Hus steckte die Finger beider Hände in den Mund, um gellende, schrille Töne auszustossen.
Nürnberg, im Juli 1900. E, A. Friedei.
Für die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Cilstriner Platz 9. — Die Einsender haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteilungen zu vertreten.
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