26. (9. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.
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und bearbeiteten Knochen. Es ist aber gar nicht abzusehen, daß da, wo Elefantcnheerden hausten, nicht auch der menschliche Elefantenjäger solle vorgekommen sein. Wenn es noch möglich ist, sollte man daher nicht Geld, Zeit und Mühe sparen, die Siissenborner Kieslager auf bearbeitete »Steine hin zu untersuchen.
Eie nächst jüngere Stufe (vgl. S.22), aus einer Zwischeneiszeit stammend, dürfte durch die Löß-Höhlen bei Gera und Saalfeld vertreten sein, mit arcto-alpinen Steppentieren. Khinoceros tichorrhinus, Bär, Hyänen und der Mensch haben hier abwechselnd gewohnt.
Die bisher gezählten 10 übereinanderliegenden Brandschichten an den Ufern des alten Taubach-Sees bei Weimar, welche mir von Dr. Wüst-Halle und Dr. Hahne-Hannover i. J. 1909 demonstriert wurden,*) werden noch heute von einigen Archäologen zur Chelles-Periode gerechnet — gegen neuerdings energischen Widerspruch. Taubach ist vorgerückt von der Chelles-Acheul-Periode zur älteren Moustier-Zeit, neuerdings durch Verworn, Breuil, Obermeier, ß. ß. Schmidt, Hahne, Wüst, Götze u. a. sogar bis in die Aurignacien-Kulturstufe, wodurch, wie Pfeiffer betont, die Verbindung nach dem ßhein und Frankreich gegeben wäre. An die Stelle von Mammut und ßhinoceros tichorrhinus von Gera sind in Weimar getreten Eleplias antiquus, ßhinoceros Merckii, Pferd und Hirsch.
Lehrreich ist die Pfeiffersche Darstellung des Kiesel-Instrumentariums des steinzeitlichen Jägers, S. 48, das. Abhäuten und Auf blasen der Haut, die Behandlung der Eingeweide und das Zerlegen des Fleisches.
Wir können Herrn Dr. Pfeiffer für diese aufklärenden Studien nur dankbar sein, allerdings bedauernd, daß die Art und der Ort der Publikation deren Verbreitung sehr hinderlich sein muß. Denn wer vermutet dergleichen in einer lokalärztlichen Zeitschrift und wie wenig dürfte diese auch nur in Deutschland verbreitet und gelesen werden. Ich habe deshalb den Herrn Verfasser dringend gebeten, seine nächste ähnliche Abhandlung in der Berliner Zeitschrift für Ethnologie zu veröffentlichen und Herr Pfeiffer ist, wie Nr. XXI lehrt, so entgegenkommend gewesen, dies zu tun.
XXI. L. Pfeiffer: Beitrag zur Kenntnis der steinzeitlichen Korbflechterei. (Aus der Taubach-Abteilung des Städt. Museums in Weimar.) Zeitschrift für Ethnologie. 42. Jahrg. 1910. S. 369—380.
*) Auf meine Veranlassung als Mitglied der Jagor-Stiftung des Berliner Magistrats sind Herrn Dr. Hahne aus diesem Fonds namhafte Sammen zur Untersuchung der Taubach-Ehringsdorfer Schichten und für die Publikationen bewilligt worden. Taubach scheint bis auf einen kleinen Geländestreifen, den Herr H. vorsorglicher Weise gepachtet hat, erschöpft. In Ehringsdorf befand sich eine von 2 Eigentümern aus ihren Tuff- briichen angelegte reichhaltige Sammlung, welche nunmehr das Städt. Museum in Weimar für 2000 Mk. erworben hat.
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