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26. (9. ordentliche) Versammlung des XVill. Vereinsjahres.
Pas Flechten gehört sicherlich zu einer der allerältesten Kunstfertigkeiten des Urmenschen, denn Tiere aus den verschiedensten Ordnungen der Wirbel- und wirbellosen Tiere, insbesondere die Vögel haben es ihm vorgemacht. So hat in der Taubach-Abteilung Herr Geheimrat Pfeiffer auf einer Tafel die ältesten hierbei dienenden Geräte im wesentlichen in Rekonstruktionen unter Zuziehung von sachverständigen Handwerkern in dankenswerter Weise ausgestellt, meist Knochen- und Steinwerkzeuge. Ausführlich behandelt werden der Hüttenwandbewurf und die Bieger in der Korbmacherei, wozu auch die aus Rentierhorn gefertigten Geräte gehören, denen man früher den pompösen Namen „Kommandostäbe“ gab; auch als Schleuderstöcke wurden sie bezeichnet und neuerlich noch von Piette als Bestandteil von Pferdezäumen, als Kleiderknebel u. dgl. Dann beschreibt Pfeiffer die Ausstechmesser, Reißer, Schmaler, Spalter der heutigen Korbmacher und die Feuerstein-Hohlschaber in der steinzeitlichen Korbmacherei.
XXII. Professor Dr. Friedrich Solger: Studien über Nordostdeutsche Inlanddüuen. Mit 4 Tafeln und 11 Textabbildungen. Tn Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. Bd. XIX. Heft 1. Stuttgart 1910.
Die Vorträge, die unser geschätztes Mitglied, jetzt als Professor der Geologie an die neue Universität zu Peking berufen, uns über unsere Dünen gehalten, sind hier zu einer bedeutsamen größeren Arbeit erweitert, die sich zunächst mit den Dünen im allgemeinen, dann speziell mit unseren Inlanddünen (Schorfheide, Ober-Barnim, Luckenwalde und Baruth, Dünen zwischen Warthe und Netze, sowie der Unterelbe) beschäftigt.
Besonders interessant sind Solgers Ausführungen über die jetzigen Inlanddünen, die er, nicht ohne heftigen Widerspruch — denn was wird innerhalb der Geologie unter den Fachleuten heute nicht bestritten? — als tote Formen erklärt.
Kr unterscheidet:
1. Bogendünen mit westwärts gerichteten Ausläufern.
2. Strichdünen, die von O nach W oder von OSO nach WNW laufen.
3. Walldünen mit hauptsächlich nordsüdlicher Richtung, die durch Übergänge mit den großen Bogendünen verbunden sind und endlich
4. unregelmäßige Kleinformen, die einerseits sich an Talgehänge anlehnen, andererseits als Kupsten d. i. Zerstörungsformen anzusehen sind.
Die Inlanddünen stammen aus einer Zeit mit anderen Winden und anderem Klima. Die sie häufig allseitig umgebenden Moore sind jünger als die Dünen, zu deren Zeit ein trockenes Klima herrschte. Ostwinde waren vorherrschend, Avie umgekehrt jetzt Südwestwinde überwiegen. Die