26. (9. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.
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Ursache der Ostwinde findet S. in der Wirkung des nordischen Inlandeises, über dem sich eine kalte Antizyklone bildete. Erst mit dem Zurück- weichen des Eises stellten sich die südwestlichen Winde ein.
Diese aus rein morphologischen Anzeichen gezogenen Schlüsse finden ihre Bestätigung dann weiter durch die Untersuchung des Dünensandes. Daß es sich um alte, lange totliegende Formen handelt, zeigt uns die durchgängige Verwitterung der oberen Sandschicht und das vielfache Vorhandensein starker Ortsteinbildungen, besonders im W des behandelten Gebietes. Der ursprüngliche Kalkgehalt, der sich in einigen Dünen noch direkt nach- weisen läßt, in anderen durch kalkige Konkretionen um abgestorbene Wurzelknollen herum*) bezeugt wird, deutet an, daß zur Zeit der Bildung unserer Inlanddünen sehr viel ungünstigere Bedingungen für den Pflanzenwuchs geherrscht haben müssen als heute, da alle kalkhaltigen Böden zur Zeit bei uns recht fruchtbar sind. Die Tatsache, daß auch Böden mit Kalkkörnern zur Zeit der Dünenbildung ein Spiel der Winde gewesen sind, weist aber andererseits auf die kalkhaltigen Staubablagerungen des Löß am Rande unserer Mittelgebirge hin. Wir sehen einen großen Aufbereitungsvorgang durch den Wind vor uns, bei dem das große Material mehr oder minder an Ort und Stelle zu Dünen aufgehäuft, das feinere als Löß weiter nach W getragen wurde.
Mit dieser bedeutsamen Perspektive, die auf die Nacheiszeit unserer Heimat, anthropologisch-antiquarisch gesprochen, auf die Zeit der juug- steinzeitlichen Bevölkerung neues Licht wirft, erlauben Sie mir mein Referat für heut zu schließen und Sie im übrigen auf das Selbststudium der durchaus gemeinfaßlich geschriebenen heimatkundlich wichtigen Arbeit zu verweisen, deren Verfasser durch seine Eigenstudien im Nordosten unsers Vaterlandes und in Turkestan sich so recht auf seinen neuen Forschungssitz Nordchina, wo Wüstensand und Löß eine so bedeutende Rolle spielen, bestens vorbereitet hat.
D. Kulturgeschichtliches.
XXIII. Friedrich Knorr: Friedhöfe der älteren Eisenzeit in Schleswig-Holstein. Teil I mit G Tafeln. Herausgegeben von dem Schleswig-Holsteinischen Museum vaterländischer Altertümer (Kiel 1910). Unserer unvergeßlichen Freundin und Altmeisterin der Vorgeschichte dem Frl. Professor Dr. Johanna Mestorf, ist diese erst kürzlich im Druck
*) Herr S. meint die Beinbruchsteine oder Osteocolla der älteren Geologie, über die ich früher in der Brandenburgs gesprochen und die z. B. innerhalb Berlins in den Rehbergen und Wurzelbergen (im Schillerpark) Vorkommen. Ausgezeichnet schön sind diese Osteocolla zu sehen in einem Höhenabstrich der zur Verbreiterung des Ilferweges, südlich vom Werbellinsee, also gegenüber der Schorfheide vor einigen Jahren hergestellt worden ist.
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