Heft 
(1911) 19
Seite
229
Einzelbild herunterladen

26. (9. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres.

229

findet man naturgemäß in den Niederlausitzer Mitteilungen niemals etwas, von Altertumskunde selten. Der Hauptinhalt ist Landes- und Orts­geschichte, Volkstümliches, Sagen, Sitten, Gebräuche, Überlieferungen, Dialektproben (Wendisches), Beschreibungen von Natur- und Kulturdenk­mälern und Ähnliches. Alles das und noch manches Andere der Kürze halber Übergangene umfaßt und erschöpft doch zweifellos den Begriff der Heimatkunde. Rudolf Virchow, der große Anthropologe, der von den sechziger Jahren ab, einen tonangebenden Einfluß in Norddeutschland, namentlich in Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, Posen hatte, trägt so zu sagendie indirekte Schuld an diesen unpassenden, deplazierten Vereinsbenennungen, die lediglich ihm zu Gefallen, in einer Art von zeitweisem Forschungs-Enthusiasmus gewählt worden sind. Für unsere befreundete Nachbargesellschaft ist ihr jetziger Name wirklich ab­geleitet wie lucus a non lucendo.

XXV. Ostergang der Böhmischen Gemeinde in Rixdorf. Das diesmal sei' 1- t'iiii auf den 27. und 28. d. M. fallende Osterfest

Gemeinde zu Rixdorf erhalten haben.

Wenn am Ostermorgen die Sonne ihre ersten Strahlen zur Erde schickt, tönen von der Kirchgasse in Rixdorf Posaunenklänge über den noch im Frieden ruhenden Ort, um die Böhmische Brüdergemeinde, die sich vom Jahre 1797 bis auf den heutigen Tag erhalten hat, zur Osterandacht in ihren Betsaal zu rufen. Der Wechsel der Zeiten, das Anwachsen Rixdorfs zu einer Stadt haben es nicht vermocht, die böhmischen Brüder und Schwestern in ihren Gebräuchen zu beirren, und ebenso haben sie an ihren alten Trachten festgehalten. Kaum sind die letzten Posaunenklänge der aus Gemeindemitgliedern gebildeten Kapelle auf dem Hofe des Betsaals verklungen, da nahen von allen Seiten die Gläubigen. In dem langge­streckten, schmucklosem Saal nehmen sie, streng gesondert, ihre Plätze ein, rechts die Frauen, links die Männer. Während die letzteren im Rock und Hut erscheinen, haben die Frauen ihren historischen Kopfputz angelegt, eine mit verschiedenfarbigen Bändern gezierte Haube. Für jede Generation ist eine andere Farbe vorgeschrieben. Der kundige erkennt sofort daran Jungfrau, Frau oder Witwe; auch die Konfirmanden haben ihre bestimmte farbige Schleife. Mit Posaunenbegleitung singt die Gemeinde ein Lied, dann wird in einer Liturgie auf die Bedeutung des Tages hingewiesen. Hiernach begeben sich die Besucher in langem Zuge und unter Vorantritt der Posaunisten nach dem in der Kirchhofstraße belegenen Gottesacker. Auf dem Kirchhof findet eine kurze Andacht statt; der Geistliche verliest die Namen der seit dem letzten Ostergang verstorbenen Brüder und Schwestern. Später geht es mit Posaunenklang zurück nach dem Betsaal in der Kirchgasse, wo für die Gemeindemitglieder ein Frühstück bereitsteht.

erinnert uns an

Gebräuche, die sich in der böhmisch-lutherischen